8. – 30. Juni 2014
22. – 30. Juni 2014: So stand ich also frühmorgens ein weiteres Mal an der Immigration und am Zoll in Auckland. Please show me your trekking shoes. Ach ja, diese Trekking-Schuhe, die sind inzwischen schon fast zur Institution geworden. Jeder will sie sehen! 🙂 Auch diesmal sind sie sauber geputzt und somit keine Gefahr für die Neuseeländer. Was denn mit der Schweiz los war am Tag zuvor, als sie gegen Frankreich an der Fussball-WM so hoch verlor, wollte der Zöllner noch wissen. Nun ja, ich sagte ihm, dass die Schweiz zwischendurch auch grosszügig mit anderen Nationen ist, und wir manchmal den anderen den Vorzug geben! 😉 Es war natürlich noch etwas früh, um ins Zimmer der Unterkunft zu gehen, aber ich konnte mein Gepäck deponieren, und die nächsten beiden Fussball-Matchs der WM schauen. Der Regen machte auch in Auckland nicht Halt. Da die ganze Unterkunft ausgebucht war, bekam ich wiederum ein Upgrade in ein Einzelzimmer. Am nächsten Morgen um 6 Uhr war Tagwache, da ich nach Tahiti weiterreiste. Im Flugzeug sass ich neben einer tahitischen Madame, Norma hiess sie. Es war ganz lustig. Da fragte sie mich, was ich denn in Tahiti so machen werde. Ich erzählte ihr, dass ich nach Bora Bora gehen werde. Da sagte sie mir, dass sie auf Bora (Kurzform von Bora Bora) wohnt. Es kam aus, dass sie nur gerade zwei Häuser von meiner Unterkunft wohnte. Die Welt ist manchmal klein. Ich müsse dann unbedingt bei ihr vorbei schauen. Eigentlich wollte sie noch auf Tahiti, der Hauptinsel von Französisch Polynesien, eine Woche bleiben, um ihre Familie zu besuchen und ein paar Einkäufe zu tätigen. Aber wenn sie wisse, dass ich nur ein paar Tage auf Bora sei, dann buche sie gleich den Flug um, und komme früher nach Hause. Ach du meine Güte! Aber ich soll dann schon mal ihren Mann besuchen, der sei ganz nett. Puff, wenigstens ist sie verheiratet… Ich half ihr mit den Formalitäten zur Einreise und ihrem schweren Gepäck in Tahiti. Nun, gut, ich muss es ja zugeben, so ganz ohne Absichten bin ich nicht nach Bora gereist. Schliesslich hatte ich durch meinen krankheitsbedingten Aufenthalt in der Schweiz unvorhergesehene Auslagen. Und wie soll ich die wieder reinbringen? Da klügelte ich aus, dass ich doch eine mindestens 95-jährige Millionärin, wenn möglich mit einem Herzfehler, anlachen könnte. 🙂 Schliesslich ist ja Bora Bora eine der teuersten Inseln der Welt. Und zudem sollen dort angeblich die Kokosnüsse einfach so vom Himmel fallen… So sah ich bereits eine Einladung fürs Hochzeits-Apéro auf meinem Blog wedeln. Selbstverständlich wäret ihr alle eingeladen gewesen… 😉 Aber so weit ist es ja dann nicht gekommen! Und ganz so abgebrüht bin ich auch wieder nicht… 🙂 Leider hatte es am selben Abend keinen Flug nach Bora und so verbrachte ich eine Nacht in Tahiti. Dort ging ich nach Papeete Nachtessen mit einem tschechischen Paar, das in der gleichen Unterkunft hauste. Der Besitzer der Pension brachte uns in die Stadt und empfahl, dass wir bei einer sogenannten Roulotte Essen gehen sollten. Das sind fahrende Küchen, haben eine recht grosse Auswahl an Mahlzeiten und werden sehr geschätzt von den Einheimischen. Und was ist das beliebteste Essen? Steak/Frites! Ein Entrecôte mit Pommes. Aber ein Entrecôte sieht anders aus als bei uns… Ich versuchte einen frischen Fisch, der sehr gut schmeckte. Am nächsten Tag flog ich nach Bora. Neben mir sass eine Fotografin, die mir ein paar Tips von Bora gab. Am Flughafen machte ich bereits die ersten Fotos, da fragte mich meine Sitznachbarin, ob sie von mir ein Foto machen solle. Der Flughafen befindet sich auf einer separaten Insel, ein Motu, wie diese hier genannt werden, mit herrlicher Sicht auf Bora. Klar doch! Nun gut, ich weiss auch nicht genau, was diese Fotografin von Beruf ist. Der Hintergrund ist dermassen schräg, ich kann das Bild nicht einmal auf den Blog stellen, sonst läuft das Wasser noch vollständig aus! Nächste Überraschung: Alle sind gegangen, aber wo bitte ist mein Gepäck?! Ich solle doch einfach den nächsten Flug abwarten. Bien entendu! Aber auch auf diesem Flug war mein Gepäck nicht. Dépêches-toi! Dein Boot geht gleich los, sonst musst Du drei Stunden warten. Ja, ja, aber mein Gepäck! Ich suche es, und wo wohnst Du denn auf Bora? Ich rufe dich an, aber geh jetzt. Mon dieu, mon dieu, ich weiss ja, wie’s läuft… Der Traum meiner Millionärin konnte ich nun definitiv abschminken, meine „heissen“ Badehosen sollten es richten. Und nun sind diese nicht da! 😉 Am Hafen wartete Gérard, der Besitzer meiner gebuchten Pension, auf mich. Er zeigte mir die wichtigsten Sachen, erklärte mir alles und gab mir ein Paar seiner Badehosen und ein Badetuch, da ich an den etwa 5 Kilometer entfernten Strand mit dem Fahrrad gehen wollte. Wir hätten doch etwa die gleiche Konfektionsgrösse, meinte Gérard. Nun gut, jedes Auge sieht ja bekanntlich anders. Macht doch nichts, schliesslich war ich froh, dass ich überhaupt zu einem Paar Badehosen kam. Diese hatten den Vorteil, dass ich praktisch nicht pedalen musste. Es war, als hätte ich meine Segel ausgefahren, und der Wind mich an den Strand fegte, dermassen gross waren diese. 😉 Auf Bora gibt es doch tatsächlich nur einen einzigen Badestrand! Aber der ist der Hammer. Auf der Insel gibt es jeweils von mitte Juni bis mitte Juli eine Kulturveranstaltung, die Heiva, für die Einheimischen aber auch für Touristen. Perfekt, so bekam ich also doch noch die Hula Hoop-Tänzerinnen zu sehen. Übrigens kam mein Gepäck am selben Abend noch an, jupi. Mit dem Radl fuhr ich die 32 km lange Strasse rund um die Insel ab. Per Boot machte ich auch einen empfehlenswerten Ausflug. Dabei hielten wir an den schönsten Orten, konnten mit Mantas und Zitronenhaien schwimmen, es war herrlich. Allerdings hatte ich anfänglich schon Respekt vor den Haien, welche jedoch nicht so gross sind. Und selbstverständlich schaute ich am zweiten Tag beim Ehemann von Norma vorbei. C’est toi le suisse?, schrie er unter der Dusche hervor, j’arrive tout de suite. Warum ich erst heute komme und nicht bereits gestern vorbei schaute, wollte der Mann wissen. Excuse-moi! Er offerierte mir einen Drink und bedankte sich, dass ich seiner Frau geholfen habe. Wir schwatzten ein wenig. Er ist wirklich sehr nett, kommt aus Frankreich und hat einen Bruder, der in der Schweiz wohnt. Nun müsse er aber gehen, um seine Frau abzuholen, sie komme bereits heute Abend zurück… Nach zwei Tagen musste ich meine Unterkunft wechseln, da Gérard bereits vorher das Studio weitervermietete. So wechselte ich in die nächste Pension, zu Mami Gloria, wie sie überall genannt wird, gleich auf der anderen Seite des Hauses von Norma. Der Mann von Mami Gloria ist Fischer und fing am Morgen unter anderem einen roten Thun-Fisch. Eine Spezialität ist der Poisson cru, also roher Fisch. Sie lud mich gleich zum Nachtessen ein. Es ist zwar nicht so mein Ding mit dem rohen Fisch, aber mit viel Sosse schlitterte der Fisch auch meine Kehle runter. Salut Prétôt, rief Mami Gloria jeweils, als sie mich sah und lachte. Norma geht bei Mami Gloria ein und aus, wie sie will. Non, non, il s’appelle Raymond, sagte Norma. Ah non, pour moi il s’appelle Prétôt, erwiderte Mami Gloria. Hier in Tahiti duzt man sich übrigens immer. Norma erklärte mir, dass sei viel einfacher, und die Konjugation sei viel zu kompliziert. Prétôt sei übrigens ein Dessert, sehr fein, aber auch sehr aufwändig zum machen. Fragt mich aber nicht, wie diese Nachspeise aussieht und schmeckt. Es scheint, als hätten ein paar Leute die Prétôts zum fressen gern. 😉 Ja, Bora ist wirklich ein Paradies, dieses türkis-blaue Meer, ein Traum. Es gibt nicht viel dazu zu sagen, schaut euch doch einfach die Bilder an. Aber alles hat ja bekanntlich eine Ende. Nach vier Tagen Bora flog ich nach Tahiti zurück. Zum Abschied bekam ich von Norma einen Anhänger mit einer Perle, Mami Gloria schenkte mir eine Strandtasche. Das war wirklich lieb von den beiden Damen, die übrigens 62, resp. 69 Jahre alt sind, nur dass das auch erwähnt sei… 🙂 Der Mann von Mami Gloria fuhr mich freundlicherweise an den Hafen, um das Flughafen-Boot zu erreichen. Die Bremsen des Autos funktionierten schon eine Weile nicht mehr, aber er habe eine gute Handbremse. Ah! Über was ich mir überhaupt Sorgen mache!! So fuhren wir mit etwa 20 km/h zum Hafen, schliesslich könnte ja trotz allem ein Bremsmanöver erforderlich sein. Am Flughafen angekommen erschien mein Flug auf der Anzeigetafel gar nicht, interessant. Am Check-in klärte man mich dann auf, dass der Flug annulliert wurde und ich nun auf den Flug umgebucht wurde, der seit über vier Stunden Verspätung hat. Wann dieser genau abfliege, könne man mir nicht sagen, das Flugzeug sei immer noch in Papeete… Ich wollte noch schnell die nächste Unterkunft avisieren, da man mich in Tahiti erwartete, ich erreichte jedoch niemanden. Nach über zwei Stunden Warten konnte ich dann in einen Flieger steigen, der nach Papeete abhob. Als ich ankam, weit und breit niemand, der auf mich wartete. Endlich erreichte ich den Besitzer der gebuchten Lodge telefonisch. Pas de problème, j’arrive dans 15 minutes! Daraus wurden dann 30 Minuten, aber was soll’s? Ich plante am nächsten Tag einen Ausflug auf die Nachbar-Insel Moorea. Leider war das Wetter dermassen schlecht, dass ich es sein liess. Ich bin um 5.45 Uhr aufgestanden, um zu schauen, ob sich die Wolken verzogen hatten, leider nicht. So nahm ich das Kajak der Unterkunft unter den Arm und stach damit in See für über zwei Stunden. Es war herrlich, wie in einem Aquarium, alles voller Fische und Korallen. Am nächsten Tag ging dann mein Flieger zurück nach Neuseeland. Au revoir la Polynésie, à la prochaine! Fazit: Französisch Polynesien ist traumhaft schön, und mein Budget muss ich halt in Las Vegas an einem einarmigen Banditen aufbessern! 😉
Thema Perlen: Die Südsee allgemein, Tahiti besonders ist bekannt für die Perlen. Es gibt die ganze Palette von Perlen, von weiss bis dunkelgrau, alles, wobei vor allem die dunkeln Perlen berühmt sind. Preis? Nun das variiert von billig bis sehr teuer, je nach Grösse und vor allem nach Qualität der Perle. Für eine Perlenkette erster Qualität mit absolut perfekten Perlen bezahlt man schnell mal ein paar tausend Franken oder Euro. Oft werden aber die schönen Perlen, die einen kleinen Fehler haben, trotzdem verwertet, wobei die fehlerhafte Stelle dann einfach unsichtbar verarbeitet wird, z. B. wird eine kleine Schramme bei einem Fingerring einfach gegen den Ring montiert. Ich persönlich finde aber nicht nur die perfekten Perlen schön, auch die etwas unförmigen haben ihren Reiz. Wie entsteht jedoch eine Perle? Sie besteht aus Perlmutt. Perlen bilden sich in der Natur unter nicht genau geklärten Umständen. Man geht davon aus, dass für die Perlenbildung Epithelzellen der Muschel verantwortlich sind, die durch Einbohrung von Parasiten oder durch andere Verletzungen in das tiefere Mantelgewebe der Muschel verschleppt werden, wo sie eine Zyste bilden. Calciumcarbonat, das Baumaterial der Schale, wird dort abgeschieden und lagert sich Schicht um Schicht ab, wodurch schließlich eine Perle entsteht. Eine Durchschnittsperle benötigt zwei bis drei Jahre Wachstum. Die Farbe ist abhängig von der Art der Perlmuschel, ihrem Lebensraum und der Wassertemperatur.
14. – 22. Juni 2014: Zurück in Neuseeland musste ich zuerst wieder durch die Immigration und den Zoll. Selbstverständlich hatte ich meine Trekkingschuhe zuoberst im Gepäck, so dass ich sie nur noch schnell auspacken und zeigen konnte. Alles war paletti, und nein, ich war auf keinem Bauernhof und ich habe keine Souvenirs in Neukaledonien gekauft! Alles Gepäck nochmals durch den Röntgenapparat und ich war wieder legal in Neuseeland, aber wieder nur für eine Nacht. Diesmal war die Unterkunft sehr eng in Auckland, aber es war ja schliesslich nur für eine Übernachtung. Am nächsten Tag bestieg ich den Flieger, um auf die Cook-Islands zu reisen, eine weitere Trauminsel. Diesmal überflog ich die Datumsgrenze, das war noch so komisch. Ich flog am Sonntag ab, kam aber am Samstag an. Somit gewann ich also einen Tag, den ich dann beim Rückflug nach Neuseeland wieder verlor. Das heisst, ich bin am 15. Juni abgeflogen, aber am 14. des gleichen Monats angekommen! Die Cook-Inseln bilden einen kleinen unabhängigen Staat von ca. 15 Inseln mit einer Gesamtfläche von 242 km2, die Bevölkerungszahl beträgt ca. 20’000 Einwohner. Den Namen hat sie wegen dem Seefahrer James Cook erhalten. Wer nun denkt, dass es auf diesem Inselstaat nur schöne und mit einer „Café-au-Lait“-Haut versehenen Menschen gibt, der irrt. Ca. 75 % der Bevölkerung ist fettleibig. Mamma-Mia, die Betreiberin des Hostels, das ich ich gebucht hatte, war eine echte Kanone! Sie kam mich am Flughafen gegen Mitternacht abholen. Wow, diese Oberarme, ich hätte glatt bei einem Armdrück-Kontest einpacken können. Nicht einmal meine Oberschenkel konnten bei diesen Massen mithalten. Ich konnte auch keinen Eindruck erwecken, als ich erwähnte, dass meine Grossmutter mal die Schwingerzeitung abonniert hatte… 😉 Tisa hiess die Gute, packte mich samt Gepäck hinten ins Auto und los ging’s. Erster Halt war eine Tankstelle nach zwei Minuten. Sie müsse noch schnell Katzenfutter posten, ihre Katze sei fast am verhungern, und für sich brauche sie auch noch einen Snack. Aber gell Tisa, bitte dann der Katze nicht wieder alles wegessen! 🙂 Im Hostel hatte ich für einen guten Deal ein Einzelzimmer gebucht. Am nächsten Tag ging ich mal auf Erkundungstour, um die nähere Umgebung zu erforschen. Der Strand war nur etwa 150 Meter von der Unterkunft entfernt. Mein Gott, war das toll. Eine Lagune fast nur für sich… Die Insel ist mit dem Auto in ca. 30 Minuten umfahren. Es hat sehr schöne Strände und ist bei Tauchern und Schnorchlern sehr beliebt. Wenn man im Wasser steht, kommen gleich ein paar Fische, um Hallo zu sagen. Ich hatte eine gemütliche Woche geplant, schliesslich hätte ich mich von den vergangenen Reisen in Australien und Neuseeland erholen sollen. Es war wirklich sehr entspannt. Dennoch ging ich jeden Tag ein Stück der Insel ansehen. Auch wenn es halt fast nur Meer zu sehen gibt, so faszinierte mich die Landschaft dennoch. Schliesslich haben wir ja in der Schweiz keinen Meeranstoss. Das Landesinnere ist sehr grün und man könnte ein paar Wanderungen machen. Viele Touristen mieten entweder ein Auto oder einen Scooter, um etwas mobil zu sein. Es gibt aber auch einen Bus, resp. zwei, die jeweils die Insel in je einer Richtung umfahren. Die Lebenskosten auf den Cook-Inseln sind sehr hoch, muss doch sozusagen alles aus Neuseeland importiert werden, was ja auch nicht gerade als Billigland bekannt ist. Gemüse ist auch Mangelware, es hat einfach, was es hat. Ja, die liebe Tisa, die war ein echt faules Pflaster. Die war echt froh, wenn ihr die Arbeit nicht an den Hals sprang. Es hätte eigentlich Öffnungszeiten beim Hostel gegeben, aber Tisa kam praktisch jeden Tag verschlafen eine bis zwei Stunden später. Und geputzt wurde während dem ganzen Aufenthalt auch nie. Es war gerade noch so am Limit von der Toleranz. Toilettenpapier? Mein Gott, fast jeden Tag musste ich mit ihr argumentieren, dass sie doch genügend Toilettenpapier auffüllen sollte. Ja denkste, da sprach ich an eine Wand, zurück kam nur das Echo „Schissipapier, Schissipapier…“! 🙂 Einmal schickte sie mich in den ersten Stock des Hostels, ich solle doch dort das Toilettenpapier nehmen. Wenn ich es dort nahm, fehlte es ja dann im 1. Stock wieder. Sie meinte doch im Ernst, dass jemand das Toilettenpapier klaute. Ich glaube, die war echt ein wenig bescheuert. Als Strafe offerierte sie mir dann den Rücktransport zum Flughafen nicht mehr, ich könne ja den Bus nehmen. Yes, Madam, mache ich doch. Trotzdem hat es mir gut auf den Cook-Inseln gefallen, es hatte wirklich ein lustiges und sympathisches Völklein im Hostel, wir spielten oft mit Karten und schwatzten. Eigentlich hatte ich die paar Franzosen im Griff, bis der WM-Match Schweiz gegen Frankreich mit 2:5 verloren ging. Ui, da musste ich den „Kürzeren“ ziehen. Allez les bleus!! Selbstverständlich schauten wir den Match zum Morgenessen um 9 Uhr. Am gleichen Abend nahm ich also den Bus, um zum Flughafen zu fahren und flog um 01.45 Uhr Ortszeit am Samstag-Morgen ab, kam nach 4 1/2 Stunden in der Luft um 04.15 Uhr am Sonntag-Morgen in Auckland an. Und jetzt fragt mich jeder, warum ich eine Gedächtnis-Lücke habe…
Thema Datumsgrenze: Die Datumsgrenze verläuft zwischen den beiden Polen der Erde durch den Pazifischen Ozean in der Nähe des 180. Längengrads. Wer die Datumsgrenze passiert, kommt in eine Zone mit einem anderen Kalenderdatum: Überquert man die Datumsgrenze gegen Osten, gelangt man in den vorangegangenen, bei umgekehrter Richtung in den nächsten Kalendertag. Die Bewohner beidseits der Datumsgrenze haben nicht das gleiche Kalenderdatum. Dieses ist auf der westlichen um einen Kalendertag höher als auf der östlichen Seite. Das Datum wechselt immer (einmal) an dem Meridian (einen senkrecht auf dem Äquator stehenden und vom Nord- zum Südpol verlaufenden Halbkreis), wo es gerade 24:00/00:00 Uhr ist (Mitternachtslinie). Dieser „natürliche“ (erste) Datumswechsel wandert mit dem Gegenpunkt der Sonne einmal pro Tag um die Erde herum. Zwangsläufig muss es einen zweiten Datumswechsel geben, damit die Erde in zwei Bereiche mit dem alten (gestern bzw. heute) und dem neuen Datum (heute bzw. morgen) aufgeteilt werden kann. Dieser andere Datumswechsel findet per Konvention an der Datumsgrenze statt, die etwa am 180. Längengrad liegt. Zudem gibt es 24 Zeitzonen, die sich über die ganze Welt verteilen. Alles klar? Eigentlich logisch und doch tönt es kompliziert. Und gell, meine liebe Mäm, Osten ist dort, wo die Sonne aufgeht, und der Westen ist dort, wo sie runter geht. Und nun bitte nicht mit dem Finger vom Balkon aus gegen den Bözingenberg zeigen! 🙂
8. – 13. Juni 2014: Nachdem ich alle Ausfuhrformalitäten in Neuseeland erledigt hatte, stand ich in der Duty Free Zone des Flughafens von Auckland. Dort liess ich mich von einer japanischen Verkäuferin überreden, ein Merino-T-Shirt zu kaufen. Zuerst wollte sie allerdings alles über die Schweiz wissen, und ja, das sei ihr Traumland, sie wolle unbedingt mal dorthin. Sie gab einen Sondereinsatz als es dann um das Merino-T-Shirt ging, nachdem ich fast 15 Minuten einen Monolog über unser Land abhielt. Ich glaube, sie zeigte mir jedes zur Verfügung stehende T-Shirt. Und ich soll dann ja alle anprobieren, wobei das olivgrüne besonders körperbetont sei… 🙂 Ich hatte sowieso im Sinn, ein solches T-Shirt zu kaufen, die sind wirklich Klasse, aber eigentlich erst bei meiner letzten und definitiven Ausreise aus Neuseeland. Das Material besteht aus einer Schafswolle (määhhhhhh, wie könnte es auch anders sein als in Neuseeland), beisst nicht, wenn man es trägt, gibt warm, aber man schwitzt nicht darin, und es nimmt auch keinen unangenehmen Körpergeruch an. Sie haben zwar ihren Preis, aber das lohnt sich alleweil. Also, ich solle dann wieder vorbei kommen, wenn ich dann das nächste Mal am Flughafen sei, meinte die Verkäuferin. Mache ich doch, aber dann muss ein Rabatt drinliegen… Ich nahm schliesslich das dunkelbraune T-Shirt, das etwas weniger körperbetonte! In Neukaledonien angekommen, musste ich die Zollformalitäten ausfüllen. Also, hier allgemein in Ozeanien sind die scharf darauf, dass man ja nichts importieren kann, das irgendwie zu einer Seuche führen könnte. Da liegt nicht einmal ein Stück Schoggi drin, rien à faire! Meine Trekkingschuhe musste ich selbstverständlich wieder zeigen. Ob ich auf einem Bauernhof gewesen sei, fragte mich der Zöllner. Bonjour, non, non, aber ich sehe sonst aus wie Ueli der Pächter… 😉 Dabei waren die Schuhe immer noch gleich sauber. Nicht einmal einen Stempel habe ich in meinen Pass bekommen, aber schliesslich bin ich ja in ein EU-Land eingereist. Nachdem man dort französisch spricht, mutiert man fast zu einem Helden. Die Neukaledonier mögen nämlich überhaupt nicht Englisch sprechen. In Nouméa, der Hauptstadt von Neukaledonien mit immerhin fast 70’000 Einwohnern, stieg ich in der Aubèrge de la Jeunesse ab, hoch über dem Hafen gelegen. Dort war ich in einem Vierer-Zimmer. Für einmal hatte es sehr viel Platz. Die Wetterprognosen waren für die ganze Woche nicht so toll. Aber gleich der nächste Tag sollte noch einer der besten sein. Et alors?! So stand ich um 6.30 Uhr auf, um mit einem Passagier-Katamaran zur Ile des Pins zu fahren. Das soll ja eine der schönsten Inseln in der ganzen Südsee sein. Ich musste zuerst noch ein Billett kaufen. Dieses Chaos dort, unglaublich. Ich stand 20 Minuten am gleichen Ort, ohne auch nur meine Füsse einen einzigen Millimeter zu bewegen. Aber schlussendlich klappt es ja dann fast immer. Nach 2 1/2 Stunden Fahrt kam ich auf der genannten Insel an. Schon der erste Strand löste einen Seufzer bei mir aus. Ich lief die bekanntesten zwei Strände ab, ehe ich einen Drahtesel mietete. Ob das eine schlaue Idee war für meinen Hintern? Ein Herr hat mir empfohlen, dass ich unbedingt zur Foire de l’Ile des Pins gehen soll, diese findet nur einmal im Jahr an Pfingsten statt. So fuhr ich dorthin. Nun gut, auf einem Rasenplatz gab es zu Trommeleinsätzen ein paar Hula-Hop-Tänzerinnen, aber ohne Basten-Röcke und halben Kokosnüssen ;-), zu bestaunen. Dann gab es wieder eine Riesenpause, dann kam die nächste Nachwuchsgruppe. Irgend einmal hat man es auch gesehen. Dann fuhr ich wieder zurück, Fahrrad abgegeben, mein Po hat es noch so einigermassen ausgehalten, Sprung in die Lagune, und dann wieder aufs Boot. Das darf man ja nicht verpassen. Schliesslich fährt dieses nur drei Mal die Woche von und zur Ile des Pins. Ich war etwas müde und schlief ein. Mais mon Dieu, als ich aufwachte, traf mich fast der Schlag. Halb benebelt sah ich einen Arm unter dem Vordersitz hervor liegen. Ich glaubte zuerst, im CSI New Calodonia zu sein. Was macht denn dieser Arm hier?! Mir ist fast das Herz in die Hosen gefallen. Das Beweisfoto könnt ihr bei den mitgelieferten Aufnahmen sehen. Dabei ist ein Reisender vor mir einfach nur auf den Boden gelegen, hat geschlafen, und dabei ist sein Arm unter dem Sitz zu mir „gekrochen“. Somit war dieser Fall schnell gelöst… 😉 Die nächsten Tage waren wirklich nicht so schön, es regnete immer wieder, nicht so stark, aber es war halt auch nicht so angenehm. Dann wollte ich am Donnerstag einen Bus um 6.30 Uhr besteigen, um in den Norden der Insel zu fahren. Ich habe dies extra am Vortag abgeklärt. Oui, oui, Monsieur, pas de problème! Denkste, als ich am Morgen auf der Matte stand, war der Bus bereits ausverkauft, der nächste auch schon, aber derjenige gegen Mittag hatte noch freie Plätze. Die Zeit reichte leider nicht, um am selben Tag wieder zurück zu fahren. So musste ich es halt sein lassen und suchte schon früh morgens einen der Strände von Nouméa auf. Am Samstag um 8 Uhr bestieg ich dann wieder den Bus zum Flughafen. Adieu Nouvelle Calédonie, à la prochaine!
Thema französische Überseegebiete: Die französischen Überseegebiete, französisch La France d’Outre-Mer (Übersee-Frankreich), sind Teile des französischen Staatsgebiets ausserhalb Europas. Im Wesentlichen handelt es sich dabei um ehemalige französische Kolonien. Insgesamt leben dort ungefähr 2,65 Millionen Menschen. Zu den französischen Überseegebieten gehören: Französisch-Guayana, Französisch-Polynesien, Französische Süd- und Antarktisgebiete, Clipperton-Insel, Guadeloupe, Martinique, Mayotte, Neukaledonien, Réunion, Saint-Barthélemy, Saint-Martin, Saint-Pierre und Miquelon, Wallis und Futuna. Auf all diesen Inseln wird immer noch sehr am französischen Savoir-vivre festgehalten, allem voran an der französischen Sprache. Hier in der Südsee gibt es auf den Inseln von Neukaledonien, Französisch-Polynesien (Tahiti) und Wallis et Futuna den pazifischen Franken, den franc pacifique. 100 XPF entsprechen ca. einem Schweizer Franken. Die Noten sind für all die französischen Südsee-Inseln gültig, jede Insel hat aber seine eigenen Münzen. Frankreich möchte den Euro einführen, überlässt es aber den Inseln selber zu entscheiden. Es müssen jedoch alle französischen Südsee-Inseln zustimmen. Zur Zeit gibt es Widerstand in Neukaledonien.