Mumbai + Kerala

8. – 22. Dezember 2013

16. – 22. Dezember: Am Morgen fuhren wir in Periyar in den Nationalpark, um eine Bootsfahrt zu machen. Irgendwie hat es mit der Buchung nicht geklappt, weshalb wir nicht um die gewünschte Zeit aufs Boot steigen konnten. So mussten wir halt 1 1/2 Stunden warten. Die Gegend um den See ist wirklich schön. Während der ganzen Bootsfahrt muss man jedoch die Schwimmweste tragen, kann warm werden. Am Ende des Sees sahen wir dann noch eine Elefantenherde, habe ich aus Afrika bereits etwas vermisst. Aus dem See ragen Baumstämme, es sah recht mystisch aus. Nach der Bootsfahrt fuhren wir weiter, wieder in etwas tiefere Lagen, auf Meereshöhe. Dort übernachteten wir in einer wirklich schönen Hotelanlage, welche direkt an den sogenannten Backwaters lag. Die Backwaters ist ein Seen- und Flusssystem von insgesamt 1900 km, das etwas versetzt vom Meer liegt, jedoch damit verbunden ist. Unser Fahrer holte uns am nächsten Morgen ab, um uns zu einem Hausboot zu chauffieren, das wir gebucht hatten. Das gönnten wir uns. Da kann man 24 Stunden oder länger ein solches Hausboot mieten, wo man durch die Backwaters sich fahren lassen kann. Dabei wird man ausgezeichnet verköstigt und man schläft auch darauf, ein einmaliges Erlebnis. Es ist sehr gemütlich, die Landschaft ist wunderschön, wie ihr auf den Bildern sehen könnt. Und endlich kann man seine Seele baumeln lassen, wobei auch auf dem Wasser die Hupe nicht fehlen darf… Entlang der Flüsse wohnen die Leute in ihren Häusern. Überall hört man Schläge. Aber was ist das? Es sind Hausfrauen, welche im Fluss stehend ihre Wäsche waschen und eben die Wäsche ausklopfen, wie im vorletzten Jahrhundert, und das ist ja nicht einmal übertrieben. Gegen den Sonnenuntergang ankert das Schiff an seinem bestimmten Platz, wo man dann die Nacht verbringt. Am nächsten Morgen fuhren wir zu unserem Abfahrtsplatz, wo uns der Fahrer abholte, und weiter ging’s ans Meer. Ganze drei Tage verbrachten wir ganz im Süden von Indien. Unterwegs meinte unser Fahrer, dass er einen Ort kenne, wo es ein sehr gutes Shake gibt. Ja, also dann, halten wir doch an. Für unseren gesunden Menschenverstand hätten wir da nicht Halt gemacht, es machte einen nicht besonders sauberen Eindruck. Ich sah mich bereits vorübergehend als bester Kunde vom Hackle-Toilettenpapier. 😉 Zum Glück traf dies nicht zu, und das Shake, ein Traum. Ich weiss nicht, wann ich in den letzten Jahren ein solch feines Shake getrunken habe. Es war gefrorene Milch, Bananen, ein Löffel Schocki-Pulver, dies wird gemixt und zuoberst noch ein paar Cashew-Nüsse. Gehaust haben wir gleich neben dem Strand in einer guten Hotelanlage in Kovalam. Kaum läuft man aus der Hotelanlage an den Strand, schreit es bereits: Hello my friend! Nein, nicht schon wieder, ich will doch endlich meine Ruhe. Liegestühle, Restaurants und sonstige Läden werden einem zum besten angepriesen… Inzwischen hatten wir ja Erfahrung sammeln können, wie man solch hahahartnäckige Typen abfertigt. Die Temperatur des Meeres war sehr warm, angeschrieben war nirgends etwas, aber ich schätzte es auf mindestens 26° C. Natürlich durfte auch die Ayurweda-Massage nicht fehlen, schliesslich ist man ja hier nicht alle Tage. Dann fuhren wir wieder nach Kochin zurück, unterwegs natürlich der Halt beim Shake-Laden. Dort werden übrigens 250 Shakes im Tag verkauft. In Kochin trennten sich dann die Wege von Nadia und mir. Am frühen Morgen bestieg ich den Flieger nach Delhi, von wo es am 23.12.2013 weitergeht oder ging (je nach Zeitpunkt des Lesens dieses Berichts), nach Singapur. Es ist/war die letzte Nacht in Indien. Und wie sieht es jetzt aus mit diesem Land? Komme ich bald zurück oder nie wieder? Ich habe keine so krasse Einstellung. Die Frage muss ich mit weder noch beantworten. Indien ist auf der einen Seite wirklich ein schönes und faszinierendes Land, hat für mich persönlich im Süden an Goodwill aufgeholt. Es ist aber auch im Norden schön mit all der Kultur. Einfach die Leute sind zum grossen Teil anstrengend und haben oft keinen Anstand. Ich nehme die positiven Eindrücke mit in meinen Rucksack, die negativen lasse ich zurück. Ich freue mich aber auf neue Erlebnisse in Singapur, wo ich die Weihnachten verbringen werde.

Thema Curry: Was wäre Indien ohne Curry? Ich kann Indien fast nicht verlassen, ohne dieser Mahlzeit einen kleinen Bericht zu widmen. Was ist eigentlich Curry genau? Curry, wörtlich Sauce, ist eine aus Indien stammende Bezeichnung für verschiedene Eintopfgerichte auf der Basis einer sämigen Sauce mit verschiedenen Gewürzen und Zugaben von Fleisch, Fisch und/oder Gemüse. Currygerichte haben sich auch ausserhalb des indischen Subkontinents durchsetzen können. Bei uns ist es ja klassisch eine gelbe Sauce, in der wir Poulet- oder Truthahnfleisch (Hähnchen oder Pute) mischen, ein paar Verrückte tun ja noch Früchte dazu… 😉 Hier in Indien sieht es ein wenig anders aus. Das ist wirklich ein Eintopf mit Gemüse und Fleisch oder Fisch, ist eher dickflüssig. Dazu isst man Reis oder Fladenbrote. Jede Region in Indien hat seine eigene Gewürzmischung (Masala), die das ganze ausmachen. Es kann ganz schön scharf sein… 🙂 Bei der Bestellung muss man halt angeben, dass man es nicht allzu scharf à la Indian-Style haben möchte, schmeckt aber sehr gut. Übrigens: In Indien kommt es niemanden in den Sinn, Früchte ins Curry zu mischen… 🙂 Einen guten Appetit!

 

10. – 15. Dezember: Je südlicher man in Indien reist, je wärmer und feuchter wird es. Bereits Mumbai war um ein paar Grad wärmer als noch Rajasthan. Der Hauptflughafen von Kerala liegt in Kochin. Welch andere Welt hier, sehr warm und wie erwähnt feucht und eine immergrüne Landschaft. Hier geht es noch gesitteter zu und her als in Mumbay, wobei wir uns immer noch in Indien befinden, das darf man nicht ganz vergessen. Wir hausten mitten im Stadtzentrum und nach meiner Ankunft in Indien stand ich das erste Mal in einem Supermarkt, wo man sehr vieles kaufen kann. In der Schweiz eine Selbstverständlichkeit, hier überhaupt nicht. Da wird beim Ausgang genau gezählt, ob auch alle Artikel auf dem Kassenzettel sind. Man stellt sich das bei uns vor, wenn man einen ganzen Einkaufswagen voll gepostet hat… Am ersten Abend haben wir eine Spezialität von Kerala ausprobiert, ein in Bananenblätter eingewickelter Fisch mit einem milden Curry. Hat sehr gut geschmeckt. Am nächsten Tag machten wir eine Stadtbesichtigung. Die Hauptattraktion sind die chinesischen Fischernetze, die ihr auch auf einem Bild sehen könnt. Es wurde uns gesagt, dass die Netze am Morgen tatsächlich noch zum Fischen gebraucht werden. Ehrlich gesagt zweifle ich da ein wenig. Ob da noch Fische herumschwimmen? Ich denke, dass die Netze aus touristischen Gründen beibehalten werden, zumindest in der Innenstadt. Ja, und es gab sogar eine Promenade am Meer entlang. Kerala ist voller Kokospalmen. Da gehört es sich natürlich auch, eine frische Kokosnuss auszuprobieren. Für umgerechnet 40 Rappen eine frische Kokosnuss… Man gönnt sich ja sonst nichts. Der nächste Tag war Aufbruchstag, um ins Hinterland von Kerala zu fahren, zu verschiedenen Wasserfällen. Es war wirklich schön. Übernachtet haben wir inmitten vom Niemandsland, wir waren auch die einzigen Gäste. Wir fuhren am nächsten Tag noch weiter ins Hinterland, in die Teeplantagen. Es ist schlichtweg umwerfend diese Gegend, welche zwischen 1500 und 1800 m ü.M. liegt. Die Strassenverhältnisse waren hingegen weniger umwerfend. Unterwegs hat uns der Fahrer bei einer Ayurweda-Center ausgeladen, so und jetzt gefälligst eine Ayurweda-Massage. Ja, ja, schon gut, machen wir doch, es gibt ja bei weitem schlimmeres. Ich machte eine Kopfmassage. Die Ganzkörpermassage hatte ich bereits in Form der Autofahrt… 🙂 Unser Fahrer meinte dann, dass wir noch ein Ticket für eine kulturelle Veranstaltung kaufen sollten, es lohne sich auf jeden Fall. Also kauften wir ein Ticket für am nächsten Tag. Unser Endziel hiess Munnar, ein Ort mitten in den Teeplantagen. Was denkt ihr, wachsen die Teeblätter, die ihr auch auf verschiedenen Fotos sehen könnt, auf Bäumen, Büschen oder an einer gewöhnlichen Pflanze? Es sind also Teebäume. Ein lokaler Führer fuhr mit uns am nächsten Morgen in einen Nationalpark, wo wir eine Mini-Wanderung von 3 km machten. Es war schon sehr schön auf all die Teeplantagen hinunter zu gucken. Um uns den Tee etwas näher zu bringen, besuchten wir noch das Teemuseum, war auch interessant. Ach ja, dann stand noch die ultimative kulturelle Veranstaltung an. Wir hatten Tickets in der ersten Reihe, wobei man sozusagen auf anstatt vor der kleinen Bühne gesessen wäre. Wir fragten, ob wir nicht etwas weiter hinten sitzen könnten, ein weiser Entscheid, wie sich später herausstellte. So fing das Programm an, Trommelklänge soweit das Ohr hören kann, und dann nochmals Trommelklänge mit Tschinellen. Ach du heiliger Bimbam, unsere Ohren, resp. die Trommelfelle drehten schon bald im Roten. Nach 20 Minuten hörten die Trommeln auf, welche Wohltat. Allerdings trommelten meine Ohren auch so weiter… Dann kam indische Mimik an die Reihe, einige Leute der ersten Reihe mussten auf die Bühne… Danach kamen wieder die Trommeln zum Einsatz, wobei ein in schwarz gekleideter und schreiender Geist oder was auch immer auf der Bühne hin und her wankte. Bevor sich unsere Trommelfelle in seine einzelne Bestandteile auflösten, verliessen wir die Show, welch Schande… Aber wir sassen ja praktisch zu hinterst, das die Weisheit des Tages! Unserem Fahrer war dies dann nicht so recht. Die Weiterfahrt am nächsten Morgen führte uns nach Periyar, wo es einen schönen See mit Nationalpark gab. Der Kalender schrieb inzwischen den 15. Dezember. Unterwegs hielten wir noch in einem Ayurweda-Kräutergarten an, wo Pflanzen für diese Methode angebaut werden. Die Führung war ganz interessant. Am Schluss mussten wir noch in den obligaten Laden, wo uns für jede Krankheit ein Pülverchen oder ein Öl angeboten wurde. So, und jetzt sollten wir einkaufen, schliesslich ist es sehr kostengünstig und effektiv. Ach ja, das habe ich ja auch schon gehört. Leider gab es keine Essenz für überstrapazierte Trommelfelle, schade… 🙂 Unsere Unterkunft war eigentlich ganz gut, auf jeden Fall belegt sie den ersten Platz für das feuchteste Zimmer in Indien. Als wir das Zimmer betraten roch dieses schimmlig. Die Fenster waren am Morgen auch ganz beschlagen. Nun hoffe ich, dass ich nicht zu fest grau werde! 😉

Thema Ayurweda: Sicherlich habt ihr schon alle davon gehört, Ayurweda findet auch immer mehr Anklang in Europa. Vor allem hier in Kerala ist Ayurweda sehr bekannt. Doch was das eigentlich genau? Ayurweda ist eine traditionelle Wissenschaft aus indischer Naturmedizin und ganzheitlicher Heilung, in der Naturheilmethoden, Massage und andere Therapien angewendet werden. Wie gesagt beruht das ganze auf natürliche Basis. Da werden jeweils natürliche Heilpflanzen, Pulver, Essenzen und Öle davon zur Heilung genommen. Der Vorteil ist, dass die erwähnten Heilmittel wirklich zu 100 % natürlich sind und somit keine Nebenwirkungen haben. Es gibt hier in Kerala unzählige Zentren, die diese Methode anwenden. Wenn man eine Krankheit behandeln möchte, dann muss man zuerst einen Doktor aufsuchen, der einem untersucht und dann die entsprechenden Anwendungen verschreibt. Viele Europäer kommen hierher, um sich behandeln zu lassen. Dabei muss man jedoch je nach Krankheit eine Behandlungszeit von einer bis vier Wochen einkalkulieren. Es gibt aber auch für den „normalen“ Touristen die klassische Ayurweda-Massage. Die bekannteste ist die Ganzkörper-Massage und die Sirodhara, das ist eine Kopfmassage, wo man auf dem „Schragen“ liegt und einem ein warmes Öl über die Stirne gegossen wird. Man sollte sich dann wieder wie neugeboren fühlen… Beides ist wirklich empfehlenswert.

 

8. – 10. Dezember: Geistig und geistlich ganz auf der Höhe verliessen wir Varanasi per Flug nach Mumbai mit einem Zwischenstopp in Delhi. Fliegen in Indien ist auch relativ erlebnisreich. Bevor man überhaupt den Flughafen betreten kann, muss man sein Flugticket zeigen. Dann ist die Frage immer, mit wie vielen Kilos man reisen darf. Auf dem Ticket steht jeweils 20 kg, aber stellt euch vor, die Regeln wurden eben erst geändert auf 15 kg… Zwischendurch kann man sein internationales Flugticket mit dem Flug nach Indien zeigen, dann ist es je nach Laune des Check-in-Agents möglich, die Limite auf 20 kg zu erhöhen. Und sonst bezahlt man Übergepäck, und manchmal sagt niemand etwas. Alles klar? Für mich nicht. Obwohl ich ja in dieser Branche gearbeitet habe, ist das ganze ein Rätsel und ich habe die Logik noch nicht herausgefunden, TII. In Mumbai wurden wir auch gleich wieder abgeholt und ab ging’s ins Hotel. Keine Ahnung wo dieses lag. Wir stiegen in ein Taxi, um nach Downtown zu fahren. Eine ganze Stunde benötigten wir dafür. Mumbai ist schon wieder ganz anders als der Norden. Es hat sogar Trottoires, keine Kühe mitten auf der Strasse, viel weniger Lärm als sonst. Bin ich überhaupt noch in Indien? 🙂 Auf alle Fälle ist Mumbai eine Riesenstadt mit 20 Mio. Einwohnern. Wir erkundigten die Innenstadt auf eigene Faust. Es geht hier schon viel westlicher zu und her als eben noch im Norden. Am nächsten Tag machten wir dann noch eine offizielle Stadtrundfahrt. Leider war am Montag die Hauptsehenswürdigkeit, eine Insel namens „Elephant Caves“ geschlossen, und so fuhren wir in einen nahegelegenen Nationalpark, wo es Höhlen zu bewundern gab. Auf einem Bild sieht ihr auch eine Spezialität aus Mumbai. Vor einem Bahnhof sieht ihr kleine Säcke, Tüten und Taschen. Das sind die sogenannten Lunch-Boxen. Wenn die Leute am Morgen zur Arbeit fahren, dann ist das Mittagessen zu Hause noch nicht parat. Wenn dann die Hausfrauen das Mittagessen um 10 Uhr fertig gekocht haben, gehen die Jungs, die dafür angestellt sind und weisse Mützen tragen, die Lunch-Boxen zu Hause per Zug abholen, bringen sie ins Stadtzentrum und von dort werden diese zum Arbeitsplatz gebracht. Am späteren Nachmittag machen die leeren Lunch-Boxen die umgekehrte Reise. So werden täglich 200’000 Lunch-Boxen verteilt, und das ohne Fehler, wie man uns versicherte. Das ist wirklich beeindruckend. Ich empfand Mumbai geradezu als angenehm, klar, es hat auch arme Viertel, die Slums, die man von weitem sieht, aber es war einfacher, sich dort herumzuschlagen als etwa in Delhi. Es hat Läden und Restaurants wie wir sie auch von Europa her kennen und die paar Sehenswürdigkeiten sind auch schön und interessant. Beim Gateway of India, das ihr auf einem Foto sehen könnt, wurden wir non-stop angesprochen, ob wir nicht bereit wären, ein paar Fotos mit Einheimischen zu machen, offenbar sahen wir wie ET oder sonst ein Wesen von einem anderen Planeten aus. Oder hatten sie uns etwa aus den letzten Bollywood-Filmen erkannt? 😉 Am zweiten Abend stiegen wir in ein Taxi. Mann-oh-mann, das Qualifying eines Formel 1 Rennens hatten wir ja schon hinter uns, nun folgte noch das Rennen selber. Musik auf voll Gas, grüne Lämpchen im Auto an, und ab ging’s, das Disco-Auto bretterte quer durch Mumbai, bei den Rotlicht-Ampeln überholte unser Fahrer einfach alle und wartete jeweils zuvorderst in Poleposition. Jedenfalls war ich froh als ich die schwarz-weiss karierte Zielflagge beim Hotel sah. Am nächsten Morgen folgte bereits der Weiterflug nach Kerala, das ist die Provinz, die im Südwesten von Indien liegt. Ach so, diesmal mussten wir das internationale Flugticket beim Check-in zeigen und konnten unsere Kilos gratis befördern lassen…

Thema Bollywood: Wenn man in Mumbai ist, kommt man fast nicht um die Bollywood-Filme herum. Das Wort Bollywood setzt sich aus den Wörtern Bombay (heute ja wieder Mumbai genannt) und Hollywood zusammen. Jährlich werden mehr als 1000 Filme produziert, mehr als in Hollywood. In den Bollywood-Filmen geht es um für uns realitätsfremde Filme, in denen singende, tanzende Liebespaare gegen die Mächte kämpfen, die sich zwischen sie stellen und die sie dann natürlich besiegen. Heutzutage buhlen neben diesen zuckersüssen, hauptsächlich für Familien gemachten Filmen auch viele von Hollywood inspirierte Thriller und Actionfilme um die Gunst der Kinogänger. Die Anzahl produzierter Filme sagt schon viel aus über diese gigantische Hindi-Filmindustrie. In der Schweiz werden ja bekanntlich viele Bollywood-Szenen, die in den Bergen abspielen, gedreht. Eigentlich würden diese Szenen in Kashmir gedreht. Da jedoch dies eine Krisenregion ist, weicht man gerne in die Schweiz aus, da es dort sehr ähnlich aussieht. Deshalb steht unser Land auch in der Gunst vieler Inder, und die vermögenden und frisch verheirateten Inder verbringen gerne ihre Flitterwochen bei uns, ganz romantisch…

Indien / Neu Delhi + Rajasthan

17. November – 8. Dezember 2013

4. – 8. Dezember 2013: Agra verliessen wir mit dem Zug. Das ist ja auch ein Erlebnis in Indien. Täglich fahren mehr als 20 Mio. Menschen mit dem Zug umher. Ich war schon ein wenig beeindruckt, da klappte alles wie am Schnürchen. Man muss vielleicht unterscheiden zwischen Vororts- und Fernzügen. Vorortszüge können zum Horror werden, völlig überfüllt, Damen haben separate Wagen, Menschen hangen an den Eingangstüren. Aber die Fernzüge sind wirklich nicht schlecht. Da muss man auch zum voraus reservieren, sonst hat man keine Chance einen Sitzplatz zu kriegen. Unser Wagen hielt genau dort, wo er bereits auf dem Perron angeschrieben war. Also rein, unsere Plätze waren reserviert. Wir fuhren Richtung Osten nach Jhansi, wo wir von einem neuen Fahrer abgeholt wurden. Der erste Eindruck war nicht besonders gut, der Fahrer führte seinen Wagen durch die Gegend als sei er an einem Qualifying eines Formel 1 Rennens, und das auf den zum Teil misslichen Strassen. Eigentlich dachten wir, dass wir bis nach Khajuraho durchfahren, Fehlanzeige. Unterwegs stieg ein Führer ein, der uns Orchha zeigte. Ach so, somit musste ich noch schnell Geld aus meinem Rucksack nehmen, den Rucksack liess ich im Auto zurück wie immer, aber hier war es ein Fehler wie sich später herausstellte. Also schauten wir diesen Ort an, Paläste und Tempel, Nr. 256 und 589… 🙂 Nach der Besichtigung fuhren wir nach Khajuraho. Das ist der Ort, wo es die Kamasutra-Tempel gibt. Am Abend machte ich wieder einmal Auslegeordnung, auch mit dem Geld, und das wieder mal seit ein paar Tagen. Gleich merkte ich, dass mein Bargeldbestand schmäler war als sonst, also rechnete ich nach. Es fehlten rund USD 400, SGD 160 und etwas Rupien. Da ich seit ein paar Tagen keinen Kassensturz mehr machte, konnte ich freilich nicht beweisen, wer mir das Geld genommen hat. Obwohl in meinem Innersten verdächtigte ich den neuen Fahrer, irgendwie eine blöde Situation. Leider konnte ich dann nichts mehr machen, aber der Verlust tat schon weh, autsch! Als wäre das nicht genug gewesen. Zu später Stunde als ich meinen Magen mit dem mitgebrachten Whisky desinfizieren wollte, merkte ich, dass auch dieser Vorrat beachtlich abnahm. So als ambitionierte Schnapsnase musste ich auch das verkraften. 🙂 Aber die Reise geht natürlich trotzdem weiter. Wo waren wir nun stecken geblieben? Ach ja bei den Kamasutra-Tempeln… 🙂 Nun bitte keine falschen Gedanken meine Lieben! Da darf man keine falschen Erwartungen haben, wenn man das hört, resp. sieht. Es sind überhaupt keine Lustpaläste, es sind Tempel, die zuerst einmal in einem ausgezeichneten Zustand sind, und von all den Figuren, die man sehen kann, sind gerade mal 7 % mit erotischen Positionen belegt, die anderen 93 % sind ganz seriös. Indien ist wirklich ein kontroverses Land, mit den Armen und Reichen, der Prüdheit auf der einen Seite und den inzwischen sehr sexy Bollywood-Filmen andererseits, oder in Indien stehen die modernsten Windkraftwerke, und gleich nebenan brauchen die Leute die Felder als Toilette, weil sie zu Hause schlichtweg keine haben. Aber es war schon lustig zu sehen, dass gewisse Gläubiger, die einen aktiven Tempel aus religiösen Gründen aufsuchten, doch gerne und nicht ganz abgeneigt über den Zaun schauten, um gewisse Figuren zu betrachten und dabei etwas verlegen lächelten. Welche Figuren? Ich stelle euch gerne ein Bild auf den Blog, das diese Positionen zeigt, welche ja bekannterweise nummeriert sind. Es soll euch einfach zeigen, wie es dort tatsächlich aussieht. Erkennt ihr alle Zahlen? Aber denkt daran, es sind nicht die aktuellen Lottozahlen, wenn ihr nun meint, dass ihr das grosse Los gezogen habt… 😉 Am Nachmittag machten wir noch einen Ausflug zu einem Wasserfall, resp. Canyon, wo wir zudem eine kleine Safari machen konnten. Unser Führer war wirklich sehr nett und lud uns am nächsten Morgen noch zu sich nach Hause ein, wo wir einen Tee serviert bekamen. Dann ging es per Flug nach Varanasi, schlichtweg das geistliche und spirituelle Zentrum Indiens. Es ist wirklich ein spezieller Ort mit nicht weniger als 2000 Tempeln. Wir wurden gewarnt, dass es die dreckigste Stadt von ganz Indien sei mit vielen Bettlern und vor allem vielen Pilgern. Varanasi liegt auch am heiligen Fluss, dem Ganges. Ich war sehr gespannt, was auf uns wartete. Varanasi hat mir sehr gut gefallen, etwas ganz anderes, als wir bis anhin gesehen haben. Dreckig? Nun, verglichen mit unseren Verhältnissen schon, aber für indische Verhältnisse fand ich die Stadt nicht dreckiger als die anderen Orte. Es hat extrem viele Pilger, die hierher kommen, um im heiligen Fluss ihr Bad zu nehmen. Dabei sollte man sieben Mal den Kopf unter Wasser halten. Wenn man sieht, was da alles im Ganges herumschwimmt… Von toten Kühen, über die Kanalisation bis über Asche von Toten, einfach alles. Also, wenn meine paar Haare bald ausfallen, dann wisst ihr warum! Nein, nein, keine Angst, ich nahm kein Bad im Ganges. Wir machten jedoch eine Bootsfahrt gegen den Abend, und am nächsten Morgen zum Sonnenaufgang. Es war ganz spannend, all den Leuten zuzuschauen. Es hat tatsächlich auch viele Bettler, es sind wirklich arme Leute, ein paar haben Lepra, andere sind tot krank. Aber für sie gibt es nicht schöneres, als zum Ganges zu kommen. In Varanasi nahmen wir am nächsten Tag auch Abschied vom Norden Indiens.

Thema Indien, ja oder nein: Es ist Zeit, eine erste Zwischenbilanz zu ziehen. Indien zu beschreiben ist gar nicht so einfach, man hört immer so viel, einige von euch waren schon dort mit unterschiedlichen Erfahrungen. Eines muss ich gleich bestätigen, es ist ein nicht sehr einfaches Land zum bereisen, und schon gar nicht einfach zum verstehen. In den Städten ist es permanent laut, mit viel Verkehr, überall hupt es, konstant viele Leute, aufpassen mit der Hygiene, dem Essen und Trinken, Düfte unterschiedlicher Art von links und rechts, Verkäufer, die einem fast zum Wahnsinn treiben. Wenn man nein sagt, dann kommt gleich der Spruch, dass alles billig ist. Aber, ob man es überhaupt braucht, spielt keine Rolle, Hauptsache, es ist billig. Es dreht sich immer alles ums Geld, jeder will Geld von einem. Wenn man einen Preis abmacht, dann wird am Schluss doch noch versucht, noch mehr Geld zu verlangen. Manchmal kommt man sich vor wie ein wandelnder Bancomat. In den Läden versucht jeder, einem noch sonst irgendetwas anzudrehen. Wenn man eine Zahnpaste kaufen will, dann kommt man vermutlich noch mit einem Kashmir-Teppich raus… 😉 Die Rolle der Frau in Indien darf man auch nicht wirklich näher anschauen, die Frau hat nicht wirklich viele Rechte, zumindest im sozialen Leben nicht. Manchmal ist es ein Kampf, den man nicht einfach so aufgeben darf. Und Mutter Teresa können wir auch nicht überall spielen. Aber irgendwie macht dieses Chaos die Faszination Indien aus, das Land funktioniert, auch wenn man sich zeitweise 100 Jahre zurück versetzt fühlt. Man muss einfach offen für vieles sein, Indien akzeptieren wie es ist, ohne es zu hinterfragen, verstehen tun wir es eh nicht, und man muss eine Portion Humor und Lockerheit mitbringen, sonst hält man es hier nicht aus. Sobald man sich aufregt, kapituliert man vor sich selbst, und man zieht Leine. Es gibt wirklich auch die schönen Seiten, die farbenfrohen Saris der Frauen, die netten und einem anlachenden Leute, die Paläste und Tempel, auch wenn man diese bis zur Vergasung gesehen hat, der Taj Mahal usw. Mir gefällt es soweit gut, wenn auch wegen dem gestohlenen Geld mit einem etwas sauren Beigeschmack, freue mich jedoch, gegen den Süden zu gehen. Dort soll ja vieles anders sein!

 

27. November – 3. Dezember: Nach einer im wahrsten Sinne des Wortes verschissenen Nacht (bitte entschuldigt diesen Ausdruck) fuhren wir von Jodhpur Richtung Udaipur. Jodhpur ist übrigens die blaue Stadt, da es dort viele blau angestrichene Häuser hat. Unterwegs machten wir beim Tempel Chaumukha Mandir in Ranakpur Halt. Dies ist ein sehr wichtiger und einer der wenigen Tempel der Jain, eine Glaubensrichtung im Hinduismus. Die Jain leben streng veganisch, d. h. sie essen gar nichts was mit irgend etwas mit Tieren zu tun hat. Sie essen auch nichts, was unter der Erdoberfläche wächst. Man beachte auch die Instruktion, bevor man den Tempel betritt: Schuhe, Zigaretten und Gegenstände aus Leder müssen am Eingang zurückgelassen werden, und Frauen, die ihre Periode haben, sollen den Tempel nicht betreten. Wie bitte? Fragt mich jetzt nicht, wie das kontrolliert werden soll, also ich meine natürlich die Frauensache… 😉 Fotos darf man von ihren Göttern auch nicht machen, da dies das gute Karma stört. Dann ging es weiter nach Udaipur, die weisse Stadt. Schon bald habe ich ein Durcheinander mit all den farbigen Städten. Udaipur ist in eine Neu- und Altstadt unterteilt. Wir hausten wieder einmal fürstlich im historischen Teil der Stadt. Die Stadt ist wirklich sehr schön, es hat auch drei Seen, wenn auch künstliche, aber sie sind trotzdem lieblich in die Landschaft eingebetet. Auf einem Foto seht ihr einen Palast mitten im See. Dieser gehörte früher dem Maharaja, heute ist ein 5*-Hotel untergebracht. Selbstverständlich darf die obligate Schifffahrt auf dem See nicht fehlen. Bis jetzt hat mir diese Stadt am besten gefallen. Von Udaipur fuhren wir in die Pilgerstadt Pushkar. Jeder Hindu sollte mal in seinem Leben dorthin pilgern, um im heiligen See ein Bad zu nehmen und sich zu waschen. Am nächsten Morgen machten wir mit einem Führer eine Besichtigung. Da ging’s zuerst in den heiligen Tempel, wo wir Rosenblätter erhielten. Für was? Damals hatte ich keine Ahnung. Dann liefen wir zum heiligen See, und bevor wir bemerkten, was um und mit uns geschah, sass schon je ein Priester neben uns. Ein paar Sprüche, ein roter Punkt oder Strich auf die Stirn, geheiligt werde dein Name, dein Reich komme, dein Wille geschehe… Mein Wille bestand darin, dieses Ritual so schnell wie möglich zu einem Ende zu bringen. Ja, dann natürlich noch die Rosenblätter besänftigen und diese rein in den See. Der Priester wird nun sein Leben lang für mich zum besten beten. Ich kam mir genötigt vor, aber eben, was macht man nicht alles, damit es einem besser gehen sollte. Ach, ja, das Ritual war noch nicht ganz zu Ende. Der letzte Akt fehlte ja noch, und der bestand darin, beim „Donation-Office“ vorbeizugehen und etwas zu spenden, ganz nach seinen Möglichkeiten. Der Priester, so versicherte er mir, arbeite umsonst, aber wenn er einen guten Job gemacht habe, dann dürfe ich ihm ohne weiteres etwas separat zukommen lassen. Ihr sieht, auch hier geht der Glaube bis zum Geldbeutel! Ja, und wenn ich dann das nächste Mal wieder komme, dann werde ich verheiratet sein und Kinder haben… 🙂 Also, Madame Etoile oder Mike Shiva (für alle Nicht-Schweizer, die den Blog lesen: Dies sind in der Schweiz die zwei best bekannten kommerziellen Astrologen) können schon ein wenig neidisch nach Indien schielen… 😉 Man sieht hier auch ein paar Europäer, die sich voll auf diesem geistlichen Trip befinden. Noch schnell durch den Markt marschieren und die Weiterfahrt führte uns nach Jaipur, die pinke Stadt. Viele Häuser sind mit einer Art pinkiger Farbe angestrichen. Kaum in Jaipur angekommen, ging es bereits auf Besichtigung. Wir mussten uns sehr beeilen, da am Sonntag, 01.12.2013, Wahlen in Rajasthan waren. Deshalb war am Sonntag alles geschlossen und so versuchte unser Führer noch alles am Samstag unter einen Hut zu bringen. Jetzt verstehe auch ich, was Hurry-up-Travel bedeutet… Unser Führer versicherte uns, dass das Highlight der Elefantenritt zur Festung sei. Noch immer der nicht sehr rühmliche Kamelritt im Hinterkopf habend befürchtete ich freilich nichts Gutes. Und so war es auch. Ein Touristenauflauf sondergleichen, Verkäufer, die einem fast zum Wahnsinn trieben, auf einmal hat man einen Turban oder sonst einen Hut auf dem Kopf, den man nun gefälligst zu kaufen hat. Dann ein Elefant nach dem anderen, immer zwei Personen dürfen raufsitzen. Unterwegs überall sich als Fotographen anbietende junge Männer. Wir waren ganz geschaffen, als wir oben ankamen. Dann eben einen schnellen Rundgang und weiter ging’s. Als wir am Abend im Hotel ankamen, war ich fix und foxy. Am Sonntag waren eben Wahlen, somit alles geschlossen. Wir hatten den Eindruck, dass wir noch nicht alles von dieser Stadt gesehen hatten. Ich telefonierte unserem Fahrer und fragte ihn, ob es möglich wäre am Montag Morgen noch zwei, drei Sachen anzuschauen. No problem! Er komme gleich, sei in 15 Minuten bei uns. Ja, aber heute sei doch Sonntag und alles geschlossen… No problem! Nun, Vijai stand schon bald auf der Matte und ab ging die Post! Beim ersten Palast, den wir anschauen wollten, stand ein Wächter vor der Türe. Vijai gab Alles, und gegen etwas Schmiergeld standen wir auf einmal im Palast, ganz für uns alleine. Vijai hatte von allen am meisten Freude und führte uns umher als würde er diesen Palast auswendig kennen… Es war wirklich cool. Dann noch die anderen Sehenswürdigkeiten und unser Fahrer brachte uns zurück ins Hotel. Am nächsten Morgen fuhren wir zum Highlight von Indien, dem Taj Mahal! Unterwegs machten wir noch einen Halt beim Fatehpur Sikri. Die Bauwerke, ein Palast und eine Moschee waren sehr beeindruckend, sie stehen unter dem UNESCO-Weltkulturerbe, aber das darum herum… Diese Verkäufer, die penetrant auf einen einreden, kennen echt kein Mass. Da kann man noch solange „no thanks“ sagen, die folgen einem noch in den Bus, TII. In Agra von unserer Unterkunft aus konnten wir am frühen Abend die Silhouetten des prächtigen Taj Mahal bereits sehen. Der Besuch war für am nächsten Tag geplant. Ich muss es zugeben, ich war ein wenig aufgeregt, schliesslich ist dieses Bauwerk eines der Highlights meiner Weltreise. Dann standen wir also vor diesem Meisterwerk, das beinahe 400 Jahre alt ist. Es war schlicht umwerfend, man kann es fast nicht in Worte fassen. Wenn man irgendwo auf der Welt die Perfektion einer Architektur sucht, dann findet man diese im Taj Mahal. Meine Kamera lief auf Hochtouren, um diesen Traum einzufangen. Irgend einmal muss man jedoch Abschied nehmen, Abschied vom Taj Mahal, Abschied von Agra. In der Werbung von Indien heisst es doch: Incredible India! TII, das war ein schöner unglaublicher Moment.

Thema Kastensystem: Das gehört doch schon eher wieder zu den nicht so rühmlichen Angelegenheiten in Indien. Offiziell gibt es das Kastensystem nicht (mehr), aber es wird trotzdem noch gelebt, vor allem auf dem Land. Was bedeutet dies überhaupt? In Indien ist die Kaste die grundlegende soziale Struktur. Es gibt grundsätzlich vier Kasten, die dann noch in viele Unterkasten unterteilt sind. Fangen wir mal oben an: Die oberste und somit höchste Kaste ist die Brahmana (Priester und Gelehrte, wie Doktoren oder Ingenieure), die zweithöchste gehört den Kshatriya (Soldaten und Verwalter, früher die Kämpfer, die Singh, habt ihr sicher auch schon gehört), dann folgt die Vaishya (Kauf- und Geschäftsleute) und zuletzt die Shudra (Arbeiter, also das Fussvolk). Geheiratet wird nur innerhalb der gleichen Kaste. Das gibt es nicht, dass man eine/n „minderwärtige/n“ Partner/in hat. Wie gesagt, die Kaste gibt nur offiziell nicht. Da können wir ausserhalb von Indien froh sein, dass wir alleine in den Sandkaste(n) gehen können und unser Schätzeli selber aussuchen können und am Abend sind die Hände für alle gleich dreckig! 🙂

 

20. – 26. November: Wie reisen Nadia und ich in Indien herum? Wir haben uns entschlossen, einen Fahrer zu „mieten“, der uns von Ort zu Ort fährt. Im Vorfeld habe ich herausgefunden, dass dies vor allem aus Zeitgründen am einfachsten ist. So haben wir zwar ein fixes Programm, wann wir wohin fahren, aber das ist hier nicht wirklich die schlechteste Lösung. Noch in Delhi wollte man mir bereits Nadia abkaufen, ein indischer Bräutigam bot mir jedoch eine zu kleine Mitgift. Für ein Foto liess ich sie dennoch posieren. Schaut doch selber mal, wie sie sich neben einem Inder so macht. Wäre ja sicher keine schlechte Partie, aber eben, ich will den Marktwert von Nadia noch etwas in die Höhe treiben, schliesslich soll man nicht gleich beim ersten Angebot zupacken, so vier, fünf Kamele mehr sollten schon drinliegen. Und schliesslich – das sei hier doch auch noch gesagt – ist Nadia unbezahlbar… 😉 Unser Fahrer, Vijai Kumar, hat uns um 9 Uhr morgens in Dehli abgeholt, um uns in Rajasthan herumzuführen. Diese Gegend liegt im Nordwesten von Indien und bietet vor allem kulturelle Sehenswürdigkeiten. Somit ist dies etwas ganz anderes als noch das südliche Afrika. Aber das macht für mich meine Weltreise auch spannend, jedes Land bietet etwas anderes. Die abwechslungsreiche Landschaft von Südafrika und Namibia muss ich nun definitiv beiseite legen. Paläste, Tempel und nochmals Tempel werde ich zu genüge besuchen, halleluja, oh Entschuldigung dies war nun nicht wirklich der richtige Ausdruck bei den Hindus, Moslems und Buddhisten… Die Landschaft hier ist schon fast langweilig flach und nicht sehr abwechslungsreich. Trockene Erde, Büsche und Bäume zischen an einem vorbei, stundenlang. Die erste Station hiess Mandawa. Dort residierten wir in einem wirklich schönen früheren Herrschaftshaus, Haveli genannt. Am nächsten Tag stand die erste Sightseeing-Tour auf dem Programm. Zur allgemeinen Information muss man einfach wissen, dass es vor der Unabhängigkeit Indiens im Jahre 1947, 562 Fürsten in Indien gab. Diese werden in Rajasthan Maharaja genannt. Jeder herrschte über sein Land selber, hatte seinen eigenen Palast. Die Maharajas gibt es auch heute noch, leben immer noch in ihren Palästen, haben jedoch nicht mehr die Macht wie früher, oder gar keine mehr. Oft werden sie auch Könige genannt. Weiter ging es nach Bikaner. Halt immer das gleiche Bild. Besuche von Havelis, Palästen und Tempel. Vor den Tempel muss man jeweils die Schuhe ausziehen, schliesslich soll man rein in einen Tempel eintreten. Rein? Nun, das hat hier eine andere Bedeutung, macht echt nichts, wenn man zuerst mal ohne Schuhe durch Taubendreck laufen muss… 🙂 Die weiteren Stationen hiessen Jaisalmer und Jodhpur. Es gibt hier in Indien ein bestimmtes Schema, wenn man in eine Stadt kommt. Wir machen jeweils mit einem lokalen Führer eine Stadtbesichtigung, wie gesagt abwechslungsweise besucht man Tempel, Paläste und dann nochmals Tempel. Ja, und dann müssen die Führer mit uns in einen Shop kommen, wo man Holz- und Metallfiguren, Schale, Teppiche und Bilder kaufen kann. Schliesslich winkt am Schluss noch eine Provision… In Bikaner waren wir in einem Shop, wo Richard Gere 520 Schäle von Hermès gekauft haben soll! Das ist ja dieses teure Label aus Paris. Zugegeben es sind wirklich schöne Schäle, und Richard Gere soll ja Buddhist sein. In Paris kostet ein solcher Schal EUR 5000, hier EUR 125 für beste Pashmina- und Seiden-Qualität. Jaisalmer liegt nur gerade mal gute 100 km von der pakistanischen Grenze entfernt. Deshalb gibt es hier zwischendurch auch Militärkontrollen. Sie wird auch goldene Stadt genannt. Goldig deshalb, weil viele Häuser aus einem lokalen gelb-beigen Sandstein gebaut werden. Wenn die Sonne darauf scheint, dann leuchten die Fassaden eben goldig. Wir waren sozusagen mitten in der Wüste. Aus diesem Grund werden hier auch Kamelritte angeboten. Also, nichts als auf ein Kamel. Leider ist hier alles so touristisch, so dass man es gar nicht geniessen kann. Überall werden Getränke angeboten, die Flaschen werden einfach in den Sand geworfen. Wir wussten nicht, ob wir nun eine holprige Besichtigung der Mülldeponie machen würden, oder einen Sunset-Ausflug. Und weiter ging’s nach Jodhpur. Für uns hiess dies nächste Besichtigung, nächster Laden. Dort erzählte man uns, dass Richard Gere hier 520 Schäle gekauft hat. Nein, nein, ich habe mich nicht zweimal vertippt oder ein „Copy-Paste“ versehentlich zuviel gemacht… Wo dieser Richard Gere überall gewesen ist?! Wow, ich bin echt imprägniert von ihm, eh, imponiert meinte ich eigentlich… 😉 Bis in Jodhpur hatten wir auch noch keinerlei Schwierigkeiten mit dem Essen und Trinken. Dort schmiedete jedoch Montezuma Rache! Ich selber bin noch glimpflich davon gekommen, musste nur einmal notfallmässig auf die Toilette, aber Nadia hat es leider voll erwischt. Die ganze Nacht verbrachte sie auf dem stillen (?) Örtchen… Das hiess dann mal zwei Tage „rien ne va plus“! Dennoch konnten wir das Programm weiterziehen. Sie hat sich tapfer geschlagen, es ging auch wieder aufwärts, nachdem wir indische Medis gekauft hatten. Schliesslich muss man am Ball bleiben, und ich muss schauen, dass der Marktwert von Nadia konstant hoch bleibt!! 🙂

Thema Bindi (roter Punkt oder Tupf auf der Stirn): Was bedeutet dies jetzt eigentlich? Ist nun eine Frau verheiratet, wenn sie einen solchen Punkt trägt oder nicht? Hier die Auflösung: Ja, wenn eine Frau einen roten Tupf auf der Stirn trägt, dann ist sie eigentlich verheiratet. Eigentlich darum, weil heutzutage viele Frauen, auch nicht verheiratete, einen roten Tupf aus modischen Gründen tragen. Deshalb kann man nicht immer darauf gehen, ob jetzt eine Frau verheiratet ist oder nicht. Nun sind wir gleich weit wie vorher, oder…? Aber, wenn die Frau rote Farbe zwischen der Haarscheitel trägt, dann ist sie definitiv verheiratet. In diesem Fall heisst es just looking!

 

17. – 20. November: Neu Dehli, Indien, ein neues Kapitel hat angefangen. Für mich ist es das erste Mal, dass ich Indien besuche. Man hört viel, die einen mögen dieses Land, die anderen gar nicht. Man sagt deshalb, entweder geht man immer wieder nach Indien, oder man geht nie mehr. Mal schauen, ob ich in fünf Wochen auch so eine kontroverse Meinung haben werde. In Neu Delhi gelandet, hatte ich das Gefühl, dass wir mit dem Flieger gleich eine Stadtrundfahrt machen würden. Mindestens 20 Minuten kurvten wir zwischen den Landebahnen umher bis wir unser Gate erreichten, vermutlich das hinterste. Aus dem Flieger, dann hiess es die Ausdauerschuhe anziehen, denn bis man die Passkontrolle erreicht hat, geht es nochmals fast 15 Minuten. Landezeit war um etwa 1.15 Uhr früh morgens. Da um diese Zeit ziemlich viele Flieger gleichzeitig aus Europa ankommen, darf man dann auch entsprechend bei der Immigration anstehen. Nicht weniger als 44 Schalter stehen zur Verfügung, d. h. man musste etwa 30 Minuten anstehen. Dann muss man das Gepäckband suchen, ach ja, das zweithinterste, und dann bitte keine Eile, das Gepäck kommt dann schon irgendeinmal. Nun, diesen Groove kenne ich ja bereits von Afrika her. Wie hiess dieses kleine Wort schon wieder? Ach ja, TIA, this is Africa! Nun bin ich in Indien, TII, this is India, auch diese Abkürzung könnt ihr schon mal in euren Wortschatz aufnehmen. Inzwischen war es schon fast 3 Uhr morgens. Ich wurde gewarnt, dass wenn man durch den Zoll geht, man sich kaum wehren kann vor lauter Gepäckträger. Jeder will einem das Gepäck tragen und anfassen und ein Trinkgeld dafür kassieren. Bevor die Schiebetüre aufging, nochmals kurz durchatmen. Meine Gedanken waren beim Fahrer, der mich abholen sollte. Wie finde ich diesen genau? Schiebetüre auf, und…? Oh, vor mir standen etwa 200 Leute, und das ist nicht übertrieben, mit einem Zettel mit dem Namen der Gäste in der Hand, alles Fahrer oder Repräsentanten von Reiseorganisationen, welche auf ihre Gäste warteten. Das hiess für mich Gepäck abstellen und meinen Namen suchen. Also, fing ich mal auf der linken Seite an, nichts, in der Mitte, nichts, rechts, nichts, oben, nichts, unten, nichts, hinten, nichts, gar nichts. Help! Wo soll ich noch schauen? Ein Herr fragte mich hilfsbereit, wie denn mein Name sei. Ja, und dann drehte ein Mann, der mit seinem Handy beschäftigt war, doch noch seinen Zettel um mit dem Namen Raymond drauf! Jupi, ich war gerettet! Ein Handzeichen, ich soll auf die linke Seite kommen, und wir trafen uns. Ich wollte noch schnell ein paar Rupien aus dem Bancomaten rauslassen. Offiziell darf man keine Rupien nach Indien einführen, die inoffiziellen habe ich gut versteckt. No problem, look just there (ihr müsst euch jetzt jeweils den indischen Akzent mitvorstellen)! OK, Karte rein, keine Karte raus, kein Geld raus. 🙁 Das ist doch schon der erste Deal, oder?! Nach ein paar Mal Knopfdrücken kam dann die Karte wieder raus. Die zweite Schweissperle konnte sich wieder verziehen. Probieren wir es doch am späteren Nachmittag wieder. Hinaus aus dem Getümmel und warten bis das Auto vorfuhr. Dann quer durch Delhi bis zum Hotel, erste Hürde geschafft! Geschafft war auch ich und fiel müde ins Koma. Am nächsten Tag habe ich mit Rajiv abgemacht, um zurück zum Flughafen zu fahren, um Nadia abzuholen, die mich ja während fünf Wochen in Indien begleitet. Der Name Rajiv ist nicht etwa ein Witz, der heisst klischeehaft tatsächlich so und ist der Verkaufschef des indischen Reisebüros, wo ich meine Indienreise gebucht habe. Um 13 Uhr sollte er mich abholen. 13.30 Uhr, immer noch kein Rajiv, dann mal ein Telefonanruf. Ja, ja, er sei unterwegs, in 10 Minuten sei er dort, don’t worry. Ein Tag vor meiner Abreise wollte ich ihm noch anrufen, um nachzufragen, ob alles OK ist. Keine Telefonnummer funktionierte mehr, also schrieb ich ihm eine Email. Er meldete sich umgehend, dass sein Handy abhanden gekommen sei, deshalb seien die alten Nummern nicht mehr gültig. Ach so, gut zu wissen als Kunde… 14 Uhr, kein Rajiv, 14.15 Uhr, Rajiv ist immer noch nicht da. Um 14.30 Uhr ist er dann gekommen, TII. Hello my friend! How are you doing? Yes, yes, very well and how about you? Look my friend, the flight is delayed (Schau mein Freund, der Flug ist verspätet). Dann fuhren wir an den Flughafen, wo man ein Eintrittsticket kaufen muss, um den Flughafen betreten zu können. Nadia haben wir aufgegabelt und zurück ging’s in Hotel. Am nächsten Tag stand eine Stadtrundfahrt auf dem Programm. Die grösste Attraktion für uns war der Verkehr! Das kann man sich fast nicht vorstellen, wenn man es nicht selber erlebt hat. Der Guide sagte uns, dass man, wenn man in Delhi im Verkehr ist, drei Sachen braucht, wobei auch die Reihenfolge interessant ist: 1. eine gute Hupe, 2. gute Bremsen und 3. viel Glück. Für unser Empfinden war es gerade umgekehrt… Aber es ist schon so, es hupt sich von allen Seiten. Aber irgendwie funktioniert es. Velofahrer, Töfffahrer, Autos, Tuk-Tuks, Busse, Lastwagen, dann Karren mit Kamelen, Ochsen, Pferden, von Hand gestossen, ja auch Elefanten sind da, alles nebeneinander, dazwischen immer die heilige Kuh, die hat immer Vortritt! Es war faszinierend. Die anderen Sehenswürdigkeiten könnt ihr auf den Fotos sehen. Am nächsten Tag die restlichen Sehenswürdigkeiten in Delhi, bevor wir die Hauptstadt Indiens verliessen, um Rajasthan zu bereisen.

Thema Begrüssen: Wie begrüsst man in Indien die Leute? Viele von euch haben das Wort „Namaste“ sicherlich schon gehört. Da macht man nie was falsch. Aber wie setzt man es richtig ein? Man legt beide Handflächen vor dem Körper gegeneinander, die Finger gegen den Himmel, eine kleine Verbeugung und man spricht eben „Namaste“ aus. So sind immer alle zufrieden. Das Wort *Namaste“ selber bedeutet: „Ich ehre in dir den göttlichen Geist, den ich auch in mir selbst ehre – und ich weiß, dass wir somit eins sind.“ In diesem Sinne „Namaste“.