13. – 22. Oktober 2013
19. – 22. Oktober: Einmal mehr nach einer Nacht alleine in einem Mehrbettzimmer habe ich mein Taxi zum Flughafen frühzeitig bestellt. Es war ja Samstag, und somit der Verkehr auf normalem Niveau, d.h. ich erreichte den Flughafen mehr als früh genug. Nach einem angenehmen 2-stündigen Flug von Johannesburg, das übrigens auf 1800 m liegt, nach Kapstadt, zog ich in einen für mich neuen Stadtteil in Kapstadt ein. Green Point heisst dieser Stadtteil. Das ist der Ort, wo das neue Fussballstadion für die Fussball-WM 2010 gebaut wurde. Wiederum ein neues Stadion, das jedoch nicht mehr gebraucht wird, wie fast alle anderen Stadien in Südafrika nach der Fussball-WM auch. An der Rezeption teile man mir mit, dass heute ein Filmabend im Backpackers ist. Da nahm ich teil, da ich seit meiner Abreise aus der Schweiz nie mehr vor einem Fernseher sass. Am nächsten Tag habe ich einen Ausflug mit dem Baz Bus (auch schon gelesen…) auf die Halbinsel zum Kap der guten Hoffnung gebucht. Es war ganz interessant, aber windig. Am Abend sah ich aus, Elvis hätte keine bessere Haarwelle nach hinten machen können… Zuerst hatte es in Hout Bay einen Sandsturm. Der Sand lag auf der Strasse, häufte sich an, so dass der Verkehr umgeleitet werden musste. Nur der Fahrer vom Baz Bus wusste es vermeintlich besser, fuhr einfach mal durch den Sand, und kaum verwunderlich blieben wir stecken. Wir konnten weder vorwärts noch rückwärts fahren. Meine automechanischen Fachkenntnisse liess ich für mich behalten, da wir alle aufs Boot eilen mussten, um zur Seelöwen-Insel zu gelangen. In der Zwischenzeit musste halt der Fahrer das Auto selber aus dem Sand puddeln… Weiter gings nach Boulders Bay zur Pinguinkolonie, einfach drollig diese Tiere. Mit dem Bus fuhren wir weiter, bevor wir aufs Fahrrad umstiegen. Wow, waren das „Chläpperkisten“, war echt froh, dass alle heil angekommen sind. Ja, und dann lag es also da, das Kap der guten Hoffnung, wird als südwestlichster Punkt von Afrika bezeichnet. Nach einer knapp einstündigen Wanderung stiegen wir wieder in den Bus, und zurück ging’s nach Kapstadt. Am nächsten Morgen machte ich mit dem Deutschen ab, den ich bereits in Hermanus getroffen habe. Wir gingen die Hauptsehenswürdigkeiten anschauen und liefen gegen den späten Nachmittag auf den Signal Hill. Da jedoch die Wege nie angeschrieben sind, war es nicht ganz einfach den Weg zu finden. Nach einem Querfeldein-Einsatz erreichten wir den knapp 400 m hohen Gipfel, einfach herrlich diese Aussicht auf Kapstadt. Nach ein paar Fotos machten wir uns wieder auf den Rückweg, da es halt immer noch relativ früh dunkel wird. Unten angekommen, waren wir beide ziemlich müde. So nahmen wir ein Sammeltaxi nach Sea Point, wo wir etwas Essen gehen wollten. Das Sammeltaxi hielt an und nahm uns mit. Eigentlich dürften nur 14 Passagiere mitfahren, wir waren jedoch 21 Passagiere. Also wegen einer Überschreitung von 50 % der Passagiere machen wir jetzt kein Theater, oder?! Am selben Morgen brachte ich noch meine Wäsche in den Wäschesalon. Dort versprach man mir, dass die Wäsche am Abend in mein Hostel gebracht würde. Da war jedoch keine Wäsche, und am nächsten Morgen sollte ich am Morgen zum Busbahnhof gehen, um meinen Bus nach Windhoek zu besteigen. Zum Glück öffnete der Wäschesalon bereits um 7 Uhr, also nach afrikanischer Uhr etwas später. Meine Wäsche war noch dort, sie hatten schlichtweg vergessen, diese auszuliefern, TIA. So bestieg ich den Bus nach Windhoek, um nach Namibia zu gelangen. Die Fahrt war mit 21 1/2 Stunden geplant… Also eigentlich wollte ich nur ein Praktikum als Ölsardine machen, dieses Feeling muss man ja auch mal erlebt haben. Der Bus war wirklich ein komfortabler mit relativ viel Beinfreiheit, so sah es auf jeden Fall aus. Und wer sass neben mir? Ein richtiges Elefantenbaby, fast 2 m gross, weit über 100 kg schwer. Er nahm Platz, benötigte jedoch 1 1/2 Sitze und hatte eine fantastische Ausdünstung, herrlich diese Aussichten. So verkam ich definitiv zur Ölsardine, Reihe 5, Platz 17, ja nicht bewegen, gehört sich ja auch nicht als Büchsenfutter… 🙂 Am Anfang der Reise noch das obligate Gebet, damit wir ganz ankommen in Namibia, und dass uns der König der Könige uns ja beschützt, Amen. Das Mikrofon im Bus funktionierte nicht, so dass wir das Gebet dreimal durchgemacht haben… Die Fahrt führte uns in ein ziemlich abwechslungsreiches Gebiet. Die Zollformalitäten mitten in der Nacht waren überhaupt nicht effizient, TIA. Einen Schalter für 65 Passagiere auf der südafrikanischen Seite, immerhin zwei auf der namibischen Seite. Wir brauchten am Zoll mehr als 2 Stunden bis wir weiterfahren konnten. Nach 23 1/2 Stunden kam ich dann in Windhoek, der Hauptstadt von Namibia an, und habe das Praktikum erfolgreich abgeschlossen. In drei Wochen geht es dann mit dem gleichen Bus wieder zurück nach Kapstadt.
Thema Essen und Kosten: Sehr beliebt ist in Südafrika das Grillen, das hier Braai genannt wird. Da wird jetzt einfach alles gegrillt, was in der Wildnis gefunden wird. Die Kosten fürs Essen sind für europäische Verhältnisse sehr niedrig. So kommt es nicht selten vor, dass eine Mahlzeit mit Fleisch billiger im Restaurant ist, als wenn man es selber kocht. Z. B. gab es gestern in einem Restaurant Salat, Cordon Bleu und Pommes für gerade mal ZAR 42, das macht gut CHF 4. Aus diesem Grund koche ich auch nicht so viel, das lohnt sich echt nicht. Nur wenn ich manchmal Heimweh nach der Schweizer Küche habe, dann lege ich mich ins Zeug… Und dann kommt es auch noch drauf an, in welchem Zustand die Küche ist, ausrüstungstechnisch und hygienisch. Wenn man einkaufen geht, dann auf keinen Fall am letzten Tag des Monats, dann gibt’s Lohn für die Südafrikaner. Da kann es vorkommen, dass man eine halbe Stunde vor dem Laden anstehen muss, nur damit man hinein kommt, und dann mindestens 45 Minuten vor der Kasse. In den Supermärkten findet man alles was das Herz begehrt, gleich wie bei uns, ausser beim Gemüse und den Früchten. Aber es lebt sich gut hier! 🙂
13. – 19. Oktober: Am Morgen habe ich mich mal für die Safari parat gemacht in der Hoffnung, dass ich doch noch abgeholt werde. Und siehe da, ich traf den Tourguide. Er teilte mir mit, dass wir nur drei Passagiere seien, zwei Kanadierinnen und ich. Die Kanadierinnen machen mit dem Buss eine Südafrika-Rundreise, die 22 Tage dauert, und sind bereits seit mehr als zwei Wochen unterwegs. Man kann dann jeweils auch nur Abschnitte von dieser Reise machen, das habe ich so nicht gewusst. Schliesslich wurde mir mein Kalahari Ausflug als Kalahari Express verkauft. Express? Nun, TIA. In einem 27 Passagiere fassenden Bus, oder eher Camion tuckeln wir dem Norden entgegen. Zu dritt ist es natürlich schon ein wenig eng in diesem Bus und wir kämpfen jeweils um einen Platz… 😉 Wir fuhren am ersten Tag in die nördlichen Weinberge, in die Cederberge, wo wir auch unsere Zelte stellten. Ich habe erfreulicherweise wieder mein eigenes Reich. Die ganze Gegend ist sehr fruchtbar, neben Trauben werden auch Zytrusfrüchte und Rooibos (Rotbusch; Rooibos-Tee = Nationalgetränk) angepflanzt. 85 % der gewonnenen Ernte wird jedoch exportiert. Weinberge und Wein, da liegt eine Weinprobe auf der Hand. So habe ich ein paar Sorten ausprobiert, schmeckte ganz gut. Die Kanadierinnen waren bereits am Vortag auf einer Weinprobe, weshalb diese nicht mitgekommen sind. Die zwei sind reifere Damen, die eine trinkt nicht so viel Alkohol, dafür die andere gleich für zwei… Ihre Wasser-Thermosflasche hatte sie bereits in eine Wein-Thermosflasche umfunktioniert, so blieb der Wein kühl. Ich glaube während den folgenden Tagen sagte sie mir jeden Abend: I need to show you how to drink wine, young man (Ich muss dir zeigen wie man Wein trinkt, junger Mann)! Ich bin ja so froh, dass mir eine kanadische „Schnapsdrossel“ zeigen wollte, wie kultiviert man Wein direkt aus einer Thermosflasche trinkt… 🙂 Am Abend sind sie dann auch schon mit den Hühnern ins Bett gegangen. Wenn ich um diese Zeit ins Bett gehe, dann stehe ich bereits um Mitternacht wieder auf… Und geschnarcht hat sie wie eine Weltmeisterin! Ich hörte sie jeden Abend im Zelt neben mir „rocheln“… So schlug ich mir halt noch die halbe Nacht selber um die Ohren. Es war eine ungemütliche Nacht, ein starker Wind blies fast das Zelt weg und es war echt kalt. Und mit Ausschlafen war nichts mehr. Da hiess es spätestens um 6 Uhr auf, parat machen, Zelte zusammenpacken und noch kurz ein Frühstück. Der nächste Tag stand voll im Zeichen von Kilometern abspulen, eine ca. 10-stündige Busfahrt lag vor uns. Wir fuhren in den Augrabies National Park, der doch schon recht im Norden von Südafrika liegt. Die Zeit reichte gerade noch, eine kurze Fahrt im Park zu machen und die Augrabies Wasserfälle zu besichtigen. Der Orange River stürzt 56 m in die Tiefe. Auch wenn man im Bus in diesem Sinne nicht viel macht, so ist eine lange Busfahrt doch ermüdend. Ich als Sonnenuntergang-Fan kam im Augrabies NP wieder mal voll auf meine Rechnung… Inzwischen schrieb der Kalender den 15. Oktober. Frühmorgens auf und weiter ging’s. Diesmal nicht mehr so weit wie am Vortag, nach 5 Stunden erreichten wir die Kalahari Wüste, wir fuhren in den Kgalagadi Transfrontier National Park, wo wir für zwei Tage blieben, 1250 km von Kapstadt entfernt und zur Zeit gegen 40 °C heiss. Der National Park ist der grösste zusammenhängende und multinationale National Park in ganz Afrika. Die ganze Fläche von 2.5 Mio. km2 erstreckt sich über Südafrika, Botswana und Namibia. In Südafrika sieht man eigentlich nur die Ausläufer der ganzen Wüste, resp. Halbwüste (es regnet zwischendurch), welche bekannt ist für die roten Sanddünen. Der Sand besteht aus Eisenoxid, deshalb der rostige Sand. Vor allem in Namibia sind die Farben ausgeprägt. Hier in Südafrika ist der Boden vorwiegend grau. Gegen den Abend gingen wir auf eine weitere Pirschfahrt (Game Drive), um etwelche Tiere zu sichten. Wir sahen vor allem Antilopen, aber für mich neu auch der Oryx oder Gemsbok und Schakale. Am nächsten Morgen ging es auf eine weitere Pirschfahrt. Wir erhofften uns immer Löwen zu sichten. Die Männchen haben hier eine schwarze Mähne und sind von ihrer Art her die grössten. Aber leider war weit und breit nichts mit den Löwen. Als Entschädigung konnten wir Geparde sichten, sieht man nämlich auch nicht überall. Über den Mittag war Siesta angesagt, bevor wir gegen den Abend mit unserem Camion den Park unsicher machten. Und siehe da, ziemlich weit weg sahen wir dann noch noch ein Löwenpärchen. Mission erfüllt! So stiegen wir am nächsten Tag wieder in unseren Bus und nahmen die Fahrt Richtung Jo’burg unter die Räder, bis nach Vryburg. Unser Führer erzählte uns, wir seien 5 Stunden unterwegs, schlussendlich waren es 10. Nun gut, hier in Afrika ticken die Uhren halt anders… 😉 Diese Weiten sind irgendwie faszinierend. Vor allem wir Schweizer sind es nicht gewohnt, bolzengerade Strecken zu fahren, weit und breit einfach nichts als Strasse und Telefonmasten, zwischendurch mal ein Auto. Wir passierten auch eine Eisenmine, einfach riesig. Die meisten Arbeitsplätze in Südafrika werden durch Minenarbeiter eingenommen. Das Eisen wird dann zu Stahl verarbeitet, der grösste Teil exportiert. Und für diese Safari war es das letzte Mal zelten, jupi… In Jo’burg konnten wir dann wieder in ein Hostel einziehen, welches weit weg „vom Schuss“ lag. Somit gehört diese Safari auch schon wieder der Vergangenheit an.
Thema Provinzen in Südafrika: Südafrika besteht aus 9 Provinzen. Die touristisch am beliebtesten ist die Western Cape, d. h. inkl. Kapstadt und die Garden Route, reicht bis etwas nach Knysna (auch schon gehört, oder?). Flächenmässig ist die Northern Cape die grösste, dort, wo die Kalahari Wüste liegt, ist jedoch auch die am dünnsten besiedelte Provinz. Die am dichtesten bevölkerte Provinz ist als Ausgleich die kleinste Provinz, heisst Gauteng und umfasst den Grossraum Johannesburg. Auf meiner Südafrika-Tour habe ich alle Provinzen bereist, oder zumindest durchfahren.