Bolivien

23. August – 14. September 2014

2. – 13. September 2014: In Potosi angekommen, bestiegen wir ein Taxi, das uns in unsere Unterkunft brachte. Wie herrlich war es, wieder einmal in warmer Umgebung zu sein und einschlafen zu können. Potosi selber ist bekannt für seine Silberminen und liegt auf 4’200 m. Von Potosi haben wir nicht viel gesehen, wir fuhren weiter in die Hauptstadt Boliviens nach Sucre. Es ist eine wirklich schöne Stadt, das Stadtzentrum ist im Kolonial-Stil gebaut und hat Charme. Wir hausten mitten in der Stadt. Die Hauptplätze in den bolivianischen Städten sehen fast immer gleich aus. In der Mitte des Platzes hat eine parkähnliche Anlage, rund um die Plätze sind die Kolonialhäuser gebaut und irgendwo steht dann noch eine Kathedrale. Meistens hat es viele Leute um den Hauptplatz, man trifft sich einfach. Wir schlenderten über die Märkte und um die Sehenswürdigkeiten. Dann buchten wir einen Flug nach Cochabamba, da wir auf eine lange Busfahrt verzichten wollten. Es gibt Nachtbusse, die auf mehrheitlich nicht asphaltierten Strassen fahren, die bolivianische Massage ist somit gleich eingeschlossen, oder wenn man tagsüber reisen möchte, dann muss man einen grossen Umweg fahren und mindestens zweimal umsteigen. Ihr sieht, manchmal ist es nicht ganz einfach, sich in Bolivien fortzubewegen. Cochabamba selber ist nichts spezielles, sie wird zwar als Gartenstadt bezeichnet, aber nun, wenn man will, sieht man schon immer etwas Garten, der Gartenzwerg auf jeden Fall war auch präsent. 🙂 Besonders stolz sind die Einwohner auf den heiligen Christus, der hoch über der Stadt zum Rechten schaut. Die Statue ist die zweitgrösste weltweit ihrer Art, sogar noch grösser als diejenige in Rio de Janeiro. Ja, wir liessen es uns nicht nehmen, die 1399 Treppen hinauf zu laufen, Espiritu Santo. Von oben hatten wir eine Aussicht über die ganze Stadt. Von Cochabamba flogen wir nach Santa Cruz de la Sierra, wie sie offiziell heisst, oder einfach Santa Cruz. Sie ist die mit knapp 1,5 Mio. Einwohnern die grösste Stadt Boliviens und liegt auf 437 m. Somit waren wir nach zwei Wochen in der Höhe wieder einmal in tieferen Lagen. Von der Stadt aus kann man die doch relativ weit entfernten Nationalparks besuchen. Wir machten jedoch nur Ausflüge in die nähere Umgebung. So gingen wir in den Güembé-Park, ein Naherholungspark mit einem Schmetterlings- und Vogelhaus, daneben hat es noch verschiedene Schwimmbecken, wo sich am Wochenende die Highsociety von Santa Cruz trifft. Auch das gibt es in Bolivien. Da lagen wir zwei also mitten in den Snobs am Sonnenbaden. Bitte entschuldigt meine etwas obszöne Ausdrucksweise, aber es geht fast nicht anders. Nach dem Motto „Arsch frisst Hose“ stolzierten die in Tangas „gehüllten“ Damen, die sich gerade beim plastischen Chirurgen ihre Lippen und Busen aufgemöbelt haben um die Schwimmbecken. Das war ein Bild, bei manchen Männern funktionierte der Gehirnbefehl „bitte Mund schliessen“ nicht mehr… 😉 Am nächsten Tag fuhren wir in einen Regionalpark, den Lomas de Arena, wo man Sanddünen bestaunen kann. Von Santa Cruz ging es weiter nach Rurrenabaque, der Hauptort des bolivianischen Amazonas. Die Ankunft mit dem Flieger ist bereits ein Erlebnis. Die Landepiste ist relativ kurz, entsprechend abrupt ist das Bremsmanöver. Einmal angekommen, warten die abfliegenden Passagiere bereits am Pistenrand im Gras. Vom Flieger geht es gleich in einen Bus, der einem direkt in die Stadt fährt. Bis dann noch jedes Gepäckstück auf dem Dach des Busses gehievt ist, vergeht doch schon noch so seine Zeit. Im Amazonas-Gebiet herrschen andere Temperaturen als noch auf dem Altiplano. Es ist feucht-heiss, tagsüber so um die 35° C. Von dort kann man Dschungel- und Sumpftouren unternehmen. Wir entschieden uns für eine Dschungeltour, wo wir doch ein paar interessante medizinische Pflanzen kennenlernen durften. Die Nächte sind fast nicht zum Aushalten, dermassen warm ist es. Ja, Bolivien bietet schon ziemlich viel, das macht es auch sehr interessant. Dann wieder der Abflug, das braucht Nerven. Man muss den Rückflug immer rückbestätigen, da weiss man nie, ob der Flughafen in Rurrenabaque geöffnet ist oder nicht. Bei schlechtem Wetter geht gar nichts auf dem Flughäfeli, wenn es mehrere Stunden regnet, dann wird alles geschlossen. Das ganze Reservierungssystem lag brach, man konnte den Flug also nicht bestätigen lassen. Wir sollten doch einfach am Morgen wieder kommen. Glück gehabt, unser Flug war aufgeführt. Am Flughafen geht man zuerst einchecken, das ist noch nichts spezielles. Ach so, Übergepäck mussten wir diesmal bezahlen, umgerechnet CHF 5 für sechs Kilo Übergepäck. Dann muss die Kreditkarte, mit der man die Buchung bezahlt hat, vorweisen. Da wird noch mit der altehrwürdigen „Ritschratsch“-Maschine ein Abdruck von der Kreditkarte genommen. Dann muss man die Flughafentaxe an einem separaten Schalter bezahlen, aber bitte nur mit schön geglätteten Noten, sonst wird man „angemöffelt“. Dann geht man zum dritten Schalter und bezahlt die Tourismus-Taxe. Sicherheitskontrolle gibt es auch, aber nur so pro Forma. Dann steigt man in den Bus, der einem auf einem Feldweg zum Pistenrand chauffiert, wo man auf das Flugzeug wartet. Just in diesem Moment begann es zu regnen. Wir durften dann wieder in den Bus steigen, damit wir nicht nass wurden. Das Flugzeug konnte landen, nun gab es aber ein organisatorisches Problem. Die ankommenden Passagiere sollten in den Bus steigen, und wir sollten ins Flugzeug einsteigen, ohne nass zu werden… ?! Also, dann wurden wir angewiesen unter den Flügel des Flugzeuges zu stehen. Das fand auch der Pilot lustig und machte mit seinem Handy ein paar Fotos. Dann stiegen die ankommenden Passagiere in den Bus, und wir konnten dann in den Flieger steigen. Die Piste war zum Glück noch nicht so nass, dass man nicht starten hätte können. Aber den Flug war in der 19 Passagiere fassenden Maschine recht unruhig. Die Piloten machten noch ein paar Selfies von sich während des Fluges, bevor wir in La Paz landeten. In Bolivien muss man immer genügend Zeit einrechnen, um von einem Ort zum anderen zu gelangen. Das ganze ist recht unberechenbar. Wie erwähnt, weiss man nie genau, ob und wann die Flugzeuge fliegen, zudem gibt es immer wieder Proteste, ich glaube ausser im Salar de Uyuni sahen wir alle Tage irgendein Protestzug in Bolivien. In Rurrenabaque konnten die Touristen zum Beispiel auch nicht zu den Sümpfen fahren, da die Strassen blockiert wurden. In La Paz ganz angekommen, liessen wir die verbleibende Zeit einfach ausplampen. Nadine flog am 13. September wieder nach Hause, und ich hoffe, den Flieger in der Nacht auf Sonntag nach Washington zu erwischen, wo ich an der Ostküste der USA meinen letzten Abschnitt meiner Weltreise verbringen werde. Bolivien ist alleweil eine Reise wert, es gibt sehr schöne Sachen zum Anschauen, man muss einfach flexibel sein, alles mit mehr oder weniger Humor nehmen und einen Zeitpuffer einrechnen, dann kann man das farbenfrohe Andenland auch geniessen.

Thema Anden: Da ich mich inmitten der Anden befinde, möchte ich mich etwas näher diesem Gebirge widmen. Die Anden sind die längste und nach dem Himalaya die zweithöchste Gebirgskette der Erde. Sie bilden den Südteil der Amerikanischen Kordilleren, die in Mittelamerika aber orographisch unterbrochen sind. Sie erstrecken sich entlang der Westküste Südamerikas von Venezuela über Kolumbien, Ecuador, Peru, Bolivien, Argentinien und Chile auf einer Länge von 7500 km. Der höchste Berg der Anden ist der 6’962 m hohe Aconcagua in Argentinien an der Grenze zu Chile. Die höchste Erhebung Boliviens ist mit 6’542 m der Sajama, ein Vulkan. Der höchste Berg der Erde ist der Mount Everest mit 8’848 m. Die 187 höchsten Berge der Erde befinden sich allesamt in Asien. An 188. Stelle kommt der erwähnte Aconcagua. In Europa ist der höchste Berg der Elbrus im Kaukasus-Gebirge mit 5’642 m. Es ist allerdings umstritten, ob der Berg tatsächlich auf europäischen Boden steht, und nicht auf asiatischem. Ansonsten ist die höchste Erhebung in den Alpen der Mont-Blanc in Frankreich mit 4’810 m, gefolgt vom höchsten Berg in der Schweiz, der Dufourspitze mit 4’634 m. Zurück zu den Andenländern. Mit dem Begriff Andenländer wird eine Gruppe von Staaten im Westen Südamerikas bezeichnet, die Anteil am Gebirge der Anden haben. Im engeren Sinne versteht man darunter häufig jene Staaten Südamerikas, deren Territorium massgeblich von den Anden geprägt wird: Bolivien, Ecuador, Kolumbien, Peru und Chile. Obwohl Argentinien und Venezuela ebenfalls Anteil an den Anden haben, werden sie normalerweise nicht als Andenländer bezeichnet, da der Anteil der Anden am Landesterritorium in diesen beiden Fällen gering ist. Also, auf geht’s in die Anden und nicht vergessen: Tief einatmen! Der Berg ruft…

 

23. August – 1. September 2014: Mein Flug von Quito nach La Paz führte über Lima, wo ich bereits meinen nächsten Besuch, Nadine, antraf. Per Zufall waren wir auf dem Anschlussflug in derselben Maschine gebucht. Um 1 Uhr früh landeten wir auf dem Flughafen in La Paz, resp. in El Alto, eine Vorortsstadt, die grösser als La Paz ist. Der Flughafen liegt auf über 4000 m ü.M., und ist damit einer der höchstgelegenen Flughäfen der Welt. Wenn man aus dem Flugzeug steigt, dann merkt man sehr wohl die sehr dünne Luft. Der Flughafen, oder wenn er diesen Namen überhaupt verdient, ist doch sehr einfach. Hopp ins nächste Taxi und herunter geht’s nach La Paz. Nadine und ich planten mal vier Tage in La Paz, um uns auf die Höhe zu akklimatisieren. Diese Zeit braucht man schon, uns ging es mehr oder weniger gut… Wir planten Ausflüge in die nähere Umgebung, so besuchten wir Valle de la Luna (Mondtal), das aussah wie ein kleinerer Canyon. Es war alleweil einen Besuch wert. Sonst schauten wir uns in der Stadt um, wo es verschiedene Märkte gibt, so zum Beispiel einen Hexenmarkt. Es gibt Leute, die fühlten sich wohl dort. Komisch, oder?! 🙂 Eigentlich wollte ich meinen von Harry Potter erhaltenen Nimbus 2000 (fliegender Besen) auf dem Markt umtauschen, da er doch schon in die Jahre gekommen ist, aber leider wollte keine Hexe ihn umtauschen… So fliege ich diesen Besen noch weiter in der Welt umher. In Bolivien gibt es verschiedene Bräuche. So wird zum Beispiel ein getrockneter Lama-Fötus gekauft und in ein neues Haus eingepflastert, dies soll ein Schutz gegen schlechte Geister und Einflüsse sein. Die Lama-Föten können auf dem Hexenmarkt gekauft werden, das sieht schon ein wenig makaber aus. Freitags sollen die Zauber und Hexereien besonders wirkungsvoll sein, im positiven wie negativen Sinn. Ansonsten ist La Paz für meinen Geschmack keine Hammerstadt, aber wir entdeckten ein Schweizer Café, das Rüeblitorte servierte, schmeckte vorzüglich, mmmhhh. Dann packten wir unsere Sachen und fuhren an den Titicacasee, nach Copacabana, um endlich der Grossstadt entfliehen zu können. Es war wirklich schön dort. Der Titicacasee ist übrigens der zweitgrösste See Südamerikas, steht an 18. Stelle weltweit und ist der am höchstgelegenen kommerziell genutzter See. Am nächsten Tag fuhren wir wieder zurück nach La Paz, um am gleichen Abend einen Bus nach Uyuni zu besteigen. Die Fahrt dauerte 11 Stunden über Nacht. Uyuni ist bekannt für seine Salzwüste, die Salar de Uyuni. Wenn man in Bolivien ist, dann ist das ein absolutes Muss. Wir buchten bereits im Vorfeld eine viertägige Jeep-Safari, aber ja nicht die warmen Kleider und einen noch wärmeren Schlafsack vergessen! Die Nächte können sehr kalt werden. Uyuni selber ist ja sowas von öde und hässlich, da braucht man eine Packung Anti-Depressiva, um nicht gleich in ein Loch zu fallen. Aber die Landschaft im Salar de Uyuni ist umwerfend. Wir buchten eine Nacht in einem Hotel, aber leider stieg die Heizung und das Wasser aus. Es war a… kalt. Das Positive ist ja, dass die Kälte einem gut konserviert. Die Oil of Olaz-Familienpackung konnte ich somit beruhigt zur Seite legen, meine Falten waren auch so geglättet… 😉 Sozusagen mit blauen Lippen warteten wir am nächsten Morgen auf unseren Fahrer Johnny. Nun gut, die südamerikanische Zeit kann etwas gummig sein, und so eine Stunde Verspätung liegt noch im Bereich der Toleranz. Im Jeep sassen nebst uns zwei nette deutsche Kerle und ein brasilianisches Ehepaar. Die Nächte verbrachten wir zweimal in einem Salz-Hotel und einmal sonst in einem Mehrbettzimmer. Ach, du meine Güte, diese Unterkünfte waren nichts anderes als reine Rheuma-Buden, kalt und feucht. Das Essen schmeckte recht gut, nur gab es am Abend immer zu wenig, was auch nicht gerade unterstützend für eine angenehme Körpertemperatur war. Wir bewegten uns auf einer Höhe zwischen 3800 und 4700 m ü.M. Aber wie gesagt, die Aussicht und die Landschaft entschädigten uns für vieles. Unterwegs hatten wir eine Autopanne. Habe ich dies auch schon auf meiner Weltreise erlebt? Nein, nein, das muss wohl eine Fata Morgana in der Wüste gewesen sein… 😉 Nach vier Tagen war der Ausflug vorbei, wir waren zurück in Uyuni. Johnny meinte wohl, er könne die verspätete Stunde vom ersten Tag kompensieren. Kurz vor Uyuni machte Johnny einen Halt und musste den Reifendruck messen. So standen wir am Strassenrand und mussten den aufgewühlten Staub von vorbeifahrenden Autos einatmen. Es gibt so Momente im Leben, wo man sich fragt: Was mache ich hier eigentlich? Die Zeit drängte, reichte aber gerade noch für unseren Bus nach Potosi. Sonst hätten wir den Nimbus 2000 nehmen müssen, zum Glück liess ich ihn nicht auf dem Hexenmarkt in La Paz zurück… 🙂

Thema dünne Luft: Je höher man steigt, desto dünner wird die Luft. Das ist nichts Neues, aber was steckt eigentlich dahinter? Die Ursache liegt darin, dass der Luftdruck mit zunehmender Höhe absinkt und damit auch der Sauerstoff-Partialdruck. Dies führt zu einer Verengung der Blutgefässe in der Lunge. Die Sauerstoffaufnahme in der Lunge verringert sich, es tritt eine Sauerstoffunterversorgung (Hypoxie) ein. Die körpereigene Atemregulation wirkt dem nicht entgegen, da sie vornehmlich auf den Kohlendioxidgehalt des Blutes reagiert. Dieser steigt bei abnehmendem Luftdruck aber nicht an. Symptome der Höhenkrankheit sind Kopfschmerzen, Übelkeit, Atemnot, Husten, Müdigkeit oder Schlafstörungen. Die Hauptgefahr besteht darin, dass sich durch die Blutdruckerhöhung in der Lunge und anderen Körpergeweben (z. B. dem Gehirn) Flüssigkeit ansammelt und dort Ödeme bildet. Bei ausgeprägter Höhenkrankheit können sich eben Hirn- oder Lungenödeme bilden. Dies ist auch die Haupttodesursache für die vielen Bergsteiger am Himalaya oder auch in den Anden, welche leider nicht mehr zurückkehren. Die Höhenkrankheit tritt ab einer Höhe von ca. 2500 Metern auf. Deshalb ist es wichtig, dass man sich zuerst einmal an die Höhe akklimatisiert. Jeder Mensch reagiert komplett anders, und man kann nie voraussehen, ob man nun anfällig auf die Höhenkrankheit ist oder eben nicht. Der Körper kann sich innerhalb weniger Tage in gewissem Ausmass an die Höhe anpassen, indem er mehr rote Blutkörperchen produziert. Diese Anpassung wird eben als Akklimatisation bezeichnet. Auf jeden Fall sollte man genügend trinken, damit die Niere ihre Funktion auch richtig ausüben kann. Sie kann zum Teil den Effekt der Höhenlage kompensieren. Also, Prosit im Unter- und Hochland!